Diese Version wird nach dem 11.04.2018 überarbeitet Themen: Einleitung
- Wertschätzung der Trainer - Zusammenhang zwischen Ruf und Pferdebestand Zwischenruf
- Öffentlichkeitsarbeit - warum kenne ich eher einen Trainer aus Frankreich als aus Deutschland
Die Aufgabe des Trainers WinWinSituation
- Ein praktisches Beispiel für das Triangel - Trainer-Jockey-Pferd (Besipiel vom 30.07.2018)
Einleitung
Kennen Sie Loriots Zeichentrickfilm „auf der Rennbahn“? Als dort der Begriff „Trainer“ fällt, sagt der Rennbahnneuling naiv (Träne) „der weint dann“.
Nein, nein, Trainer*, das sind eher Menschen mit einer übernatürlichen Portion Optimismus....... solange Sie ihnen als Besitzer oder Kaufinteressent entgegentreten. Sie haben für jedes Rennen, welches ihre (Ihre) Pferde bestreiten hinterher eine Erklärung für das Laufen. Nur gegenüber der Rennleitung, da haben sie dann mal keine. Aber auch hier findet sich meist die eine oder andere an mehr oder weniger plausible Begründung.
Nun, was kann ich Ihnen erzählen? Was soll man über diese Menschen denn sagen können? Trainieren halt ein Pferd wie jeder andere Trainer auch und basta. Na ja im Prinzip schon - im Detail, oho! Alles was ich versuche zu erklären, trifft auf spezielle Trainer zu, ohne das ich dem einen oder anderen oder gar einem ganz bestimmten Trainer etwa negatives nachsagen möchte oder über den grünen Klee loben kann. Ich versuche alle Facetten zu beleuchten, die für Sie von Belang sein könnten. Ob als Besitzer oder als Wetter, machen Sie sich ihr eigenes Bild. Ich gebe Ihnen ein Raster und Sie sortieren die Trainer nach Ihrer Meinung/ Vorstellung dort ein oder auch ganz woanders. OK?
Auf jeden Fall machen Sie nicht den Fehler, den fast alle Wetter machen: die 5 oder 6 Trainer mit dem größtem Pferdebestand werden als die Besten angesehen, viele kleine Trainer nicht ausreichend gewürdigt. Sicher hat der Erfolg etwas mit dem Trainingsbestand zu tun, aber wo viel „Material“ (hört sich hart für das Lebewesen „Pferd“ an), da auch eben die höhere Chance, ein Spitzenpferd im Bestand zu haben. Achten Sie gerade bei den vielen kleinen Trainern in der Menge der Masse auf Qualität. Oft gebraucht man für die Menge der kleinen Trainer den Begriff „Underdog“. Das ist absolut falsch! Underdog heißt nicht nur „einer von vielen“, „in der Masse“, sondern vor allem „Verlierer“. Und das stimmt für viele „kleine Trainer“ eben nicht!
Zwischenruf (08.04.2018) In Frankreich gehört es zur (guten) Reportage (Equida) dazu, dass man Jockeys und vor allem Trainer befragt. Das ist sicherlich unterhaltsam, ermöglicht dem Wetter aber auch die Abwägung in manchen Dingen. Würde ich die Frage stellen, würde ich allenfalls nach dem Grund eine Pause fragen (Verletztung, Erholung) - die anderen Aussagen sind für mich als Wetter irrelevant. Ich könnte auch fragen nach Taktik, Konditionsstand oder Fähigkeit bezogen auf die aktuelle Bodenbeschaffenheit oder Distanz. Doch keine dieser Fragen kann der Trainer sicher beantworten. Taktik: natürlich gibt er dem Jockey eine Order ("lass ihn treten" oder "halte dich zurück bis..") aber was ist, wenn der Rennverlauf anders als gedacht? Wenn er "von vorne gehen" soll, aber ein anders Pferd schneller vorne ist. Für die anderen Fragen habe ich aktuell zwei Informationen zum 4. Rennen am 8. April 2018 in Düsseldorf (Viererwett-Rennen). Dort wurde von der Sportwelt der holländische Trainer Wolters
zu den Chancen seiner drei Starter
befragt; den ersten beiden räumte er Chancen ein, dem Dritten (Film) traute er den Boden nicht zu. Abgesehen davon, dass meine Datenbank genau auf dem aktuellen (erwarteten) Boden genau wie auf Boden 3,x die beiden Bestformen anzeigten (also Fehleinschätzung des Trainers), war nun Film das bestplatzierte Pferd des Trainers in diesem Rennen. Hirschberger hatte zwei Pferde im Rennen. Er räumte dem (späteren Nichtstarter) Bariton gute Chancen ein und zweifelte ausreichende Kondition von Lijian an. Lijian siegte....
Die Aufgabe als Trainer
Am Anfang steht das Einreiten, sofern dieses nicht schon in der Zuchtstätte geschah (wenn das Pferd dort lange stand ist dies unumgänglich. Wobei die Zeitdauer des „Stehens“ nicht unbedingt mit mangelnder Klasse zu tun haben muss). Das ist einer der fundamentalsten Momente für die Karriere des Pferdes. Das ist wie bei einem Menschen: wenn Sie ein Kind zu hart anpacken, dann sind psychische Schäden vorprogrammiert, die Menschen sind nicht mehr in der Lage, das Leben zu meistern. Werden die Kinder zu lasch angepackt, dann kommt so etwas heraus wie man in der heutigen Jugend sieht: unsportliche Weicheier – und dies eine wissenschaftliche Erkenntnis, die Gott sei Dank nicht auf alle Jugendlichen zutrifft. Auch ein Pferd will Zuneigung, braucht klare Regeln und Einfühlungsvermögen. Es gibt sicher Gründe dafür, dass es ganz bestimmte Trainer sind, die auffällig viele Erfolge mit jungen Pferden haben.
Im normalen Trainingsbetrieb muss der Trainer dann möglichst schnell die Fähigkeiten eines Pferdes erkennen. Viele Trainer machen dort fatale Fehler und bewerten das Pferd ausschließlich nach Abstammung und legen sich damit – vor allem auf die Fähigkeiten der Väter – fest: Flieger, Meiler, Mitteldistanz, Steher, Steepler; trockener Boden, weich oder schwer und Sand. Also, erst mal ist es schon Quatsch, dass es nur nach dem Vater geht. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Mütter weniger Eigenschaft vererben als die Väter. Es gibt auch keine Sicherheit, dass die Eltern genau ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt wurden – allerdings ist dies bei den Hengsten, wo man viel mehr auf Rennleistung achtet als bei Stuten, sehr wahrscheinlich, dass man im Rennleben die Eigenschaften richtig taxiert hat, denn sonst wären die Höchstleistungen nicht erzielt worden. Sicher ist nur, dass man Pferde verkennt. Das berühmteste Beispiel dafür bleibt wohl auf alle Ewigkeit Sea Biscuit, der anfangs nur verlor, bis ein kleiner (!) Trainer, mit einem unbekannten (!) Jockey alles schlug, was ihm in den Weg kam. Sicher, der Hinweis auf die Eltern ist wichtig und als erste Orientierung sehr wertvoll. Aber genaues muss man im Trainingsbetrieb ausloten.
Je nachdem welche Karriere ein Pferd einschlägt, wird ein Pferd auf die bestimmten Ereignisse, die man sich als Trainer vorgenommen hat, hintrainiert. Es ist – und denken Sie wieder an Menschen – nicht möglich über ein ganzes Jahr ein Pferd auf dem höchsten Level zu halten. Das Pferd hat zwar die Veranlagung, aber dies ist nur 80 - 90% der Rennleistung. So kann ein Gruppepferd sicher auch ohne Training ein Ausgleich II gewinnen (80% Leistung), aber viele keinen Ausgleich I (90%). Wenn Sie als Trainer also in den „Arc“ wollen, dann muss Ihr Trainingsplan einen gestuften Aufbauplan auf Anfang Oktober zielen, mit der Folge, dass Sie wahrscheinlich spät auf die Bahn kommen, vielleicht erst im Mai und dann auch nur 3 – 4 Rennen vorher angehen. Im englischen Derby lief sogar mal ein Pferd, welches öffentlich nie auftrat. Man darf auch nicht vergessen, dass Pferde nach einem Rennen je nach Zustand des Pferdes und Rennverlauf (Aufwand, Reise) 2 bis 4 Wochen Rekonvaleszenz (aber nur im Sinne von Erholung) brauchen.
Eine sehr schwierige Anlaufzeit bedeutet die Zeit der 3 jährigen Pferde. Insbesondere mit Pferden, mit denen man vorhat in das Derby Anfang Juli zu gehen, ist es sehr kompliziert. Denn es ist ja nicht nur das Hinarbeiten auf diesem Termin, nein, insbesondere die ganz individuell verlaufenden Entwicklungszyklen lassen die Sache schwer werden. Mache ich es einfach mal am Gewicht fest: wenn der Trainer das Derby gewinnen will, muss er ein Pferd von mindestens 92 Kilo GAG an den Start bringen. Dieses Pferd hat aber im März erst eine Rennfertigkeit von angenommen 75 Kilo, was dem Agl II- III der „normalen“ Pferde entspricht. Manche mehr, manche weniger. Bis Ende April entwickelt sich der eine so, dass er 5 Kilo mehr hat, der andere gar 12. Und dies kann man Monat für Monat neu feststellen. Dabei ist es nicht so, dass die Entwicklung geradlinig wäre. Nein, die individuelle Leistungskurve kann jede denkbare Form annehmen. Sie als Trainer müssen das Pferd nun schonend so aufbauen, dass es anfangs langsam an das Potential herangeführt wird um am 30.06. dann auf 99% stehen. Und wehe, sie haben 101% abgerufen, dass kann das Ende der Rennkarriere bedeuten. Und nun ist vielleicht auch Ihnen klar geworden, warum nach dem Derby so viele Derbypferde sich nie mehr melden und andere alles verlernt haben, so scheint es zumindest. Diese Pferde wurden schlichtweg überfordert. Das geht dem „Underdog“ unter den Trainern genau so wie dem Champion. Letzterem vielleicht und hoffentlich seltener als dem anderen. Ich denke dabei übrigens mit Wehmut an „All my dreams“. Toll aufgebaut, über Dresden im kleinen Vorbereitungsrennen und bis zum Derby mit der strikten Order „niemals die Peitsche einsetzen“. Sicherer Derbysieg – und dann nie wieder gesehen. So ganz klar kann man die eigentlichen und wahren Gründe nicht anführen. Meine Befürchtung „Überfordert, übertrainiert“ trifft selbst bekannteste Trainer die getreu dem Motto „immer langsam mit den jungen Pferden“ umgegangen sind. Man steckt halt nicht drin in dem armen Tier – die übrigens Galopprennen sehr lieben, weil dies die einzige Sportart ist, die ihrem Naturell nicht nur nahe kommt sondern ist: so schnell laufen wie es geht, nicht nur auf der Flucht übrigens.
Im Training wird das Pferd – mit Ausnahme eines kurzen Heats – kaum an die Leistungsgrenze herangeführt. So wie ein auch ein menschlicher Spitzensportler im Training nur durch die Häufigkeit der Bewegung und nicht durch die Erzielung der Höchstleistung an seine Höchstform herankommt. Schauen Sie sich ein Training ruhig mal an. Die Pferde werden minutenlang im Schritt auf dem Trainingsgelände gehen, dann irgendwann – dem Trainingsplan entsprechend – geht es auf die Rennbahn. Dort wird keinesfalls im Renngalopp die Bahn umrundet, sondern dem Pferd ziemlich freie Hand gelassen. Nur in der Einlaufgeraden, spätestens zur Mitte hin, steht hin und wieder ein schärferer Galopp auf dem Plan. Die Peitsche kann dabei stecken bleiben. Interessant ist ein Blick über die Grenzen. Bei uns steht fast ausschließlich ebenes oder fast ebenes Gelände an. Allenfalls Gras oder Sand bringt Abwechslung und Schulung bestimmter Muskelgruppen oder Konditionsförderung. In England wird oft im stark hügeligen Gelände trainiert. Das ist nicht nur für die Kondition gut, sondern – die Trainer schwören drüben drauf – fördert die Bildung von bestimmten Muskelgruppen.. Es ist ja auch schwer vorstellbar, dass ein Pferd in ein Bodybuildingstudio geht um bestimmte Muskelgruppen aufzubauen. Auch bei uns ist dieses Berg-Training nicht gänzlich unbekannt und wird bei geografischen Möglichkeiten tatsächlich auch wahrgenommen. Andererseits werden die Möglichkeiten im Watt zu trainieren übrigens meiner Ansicht nach nicht ausreichend wahrgenommen – und kommt eh nur für die Bremer infrage. Dort ist nicht nur ein idealer Untergrund für die Beine vorhanden, sondern auch für die Muskelbildung und besonders die klimatischen Gegebenheiten sind optimal: Jodhaltige Luft ist optimal für die Lunge und damit für Sauerstoffversorgung. Die Kette Natur – Leistung ist unübertroffen. Mir sind allerdings Traber bekannt, die insbesondere bei Bein oder Luftproblemen auf der Insel Neuwerk gearbeitet wurden – gleich gegenüber der Duhner Rennbahn... In Skandinavien werden „Flieger“ zu erstaunlichen Leistungen gebracht, indem man diese Pferde bereits im Training unter Rennbedingungen herannimmt, in kurzen Intervallen an den Start bringt und so „härtet“. Die Erfahrungen zeigen aber auch sehr deutlich: die Skandinavier sind jederzeit in der Lage, eines unser Fliegerrennen zu beherrschen, aber Sie werden kaum erleben, dass ein Pferd über mehr als eine Saison hinweg diese Leistung auf dem Niveau bringt. Mein lieber Schwede, das ist wohl zuviel des Guten!
Sehr wichtig ist, gerade bei jungen Pferde, die Jockeywahl. Die großen Trainer haben den Vorteil, dass sie ausreichend finanziell ausgestattet sind, um sich einen Stalljockey zu leisten. Neuerdings stellen hochanspruchsvolle Besitzer dem Trainer einen eigenen Jockey zur Verfügung. Und was nützt´s? Würde wirklich nur dieser Jockey das Pferd reiten, im Rennen wie im Training und ist er entsprechend talentiert, dann ist dies für das Pferd sehr vorteilhaft, nur „eine Hand“ zu haben. Wenn Sie selbst geritten sind und Sie Ihr Pferd wegen Ihres Urlaubs in fremde Hand geben mussten, dann wissen Sie, dass dies nicht unbedingt gut für das Pferd sein muss. Ein Spitzentrainer hat aber entweder zuviel Klassepferde, dass nur „der“ Stalljockey das Pferd auch im Training reiten wird oder der Trainer verfügt überhaupt nicht über einen Stalljockey. Also was nützt´s? Der Trainer braucht jede Menge talentierte Arbeitsreiter.
Nun haben Sie ihr Pferd austrainiert und müssen ein Rennen aussuchen, das Pferd managen nennt man das, was nun folgt. Sie beginnen zwangsläufig in Altersgewichtrennen, um ein GAG zu bekommen (siehe hierzu unter “Ausgleicher”). Wo beginnen Sie? Suchen Sie eine leichte Prüfung oder gleich „Butter bei die Fische“ nach Köln oder Baden? Offen gesagt, ich verstehe nicht, warum es einige Trainer (aber auch allzu oft die Besitzer die drängen) ihre Pferde nicht in die leichtmöglichste Prüfung geben. Spielt es wirklich so eine große Rolle, ob das Rennen über 3500 € oder 6000 € ausgeschrieben wurde. Als Sieger erhält das Pferd 60% davon, also gut 2000 oder 3.600 €. Na daran wird es wohl nicht liegen, wenn man als Folge ein geschontes Pferd hat, was schneller wieder fit ist und nicht an einem zu schweren Rennen früh zerbricht. Also ruhig auf die kleinen Bahnen, dass Pferd muss ja eh erst einmal gewinnen.
Managen bedeutet dabei in erster Linie eine Route auszusuchen, um mit möglichst wenig Starts möglichst hohen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen und dabei das Pferd soweit es geht zu schonen. In den ersten Rennen ist das noch sehr einfach. Nach dem ersten Rennen wissen wir schon mehr über die wahre Leistungsfähigkeit des Sportlers. Spätestens jetzt muss die Route geändert werden, wenn die Leistung nicht wie erwartet (gut oder schlecht) ausfiel. Wenn wir Glück haben, dann gibt die Leistung des Pferdes zur Hoffnung Anlass, dass es sich in den großen Rennen bewährt. Nur wie machen wir es? Gehen wir die Klassischen Rennen an oder über die Schleichwege Dresden, Hannover und Bremen in das Derby oder vergleichbare Rennen? Irgendwann wird auf diesem Weg dann entschieden, ob das Pferd wirklich Gruppeformat hat oder – was so schlecht ja auch nicht ist – Agl. I. Über diesen Weg ist der Ausgleich I schnell erreichbar. Na gut, es gehört schon etwa mehr als nur „ein wenig Können“ dazu (ich rege mich immer auf, wenn bei Preisrätseln gesagt wird „mit ein wenig Glück sind Sie der Gewinner“. Richtig ist, ich brauche verdammt viel Glück, ob nun für das Preisausschreiben oder dafür, dass gerade ich ein solches Pferd habe, was mindestens Agl I Klasse hat). Auf diesem Weg komme ich über 3-5 Rennen in den Agl I oder höher.
Eines ist klar, wenn Sie sich als Trainer für die Ausgleichsebene entscheiden, dann haben wir ein schweres Trainerleben vor uns. Mit jedem Sieg oder auch nur Geldgewinn kommen wir in das Blickfeld des Ausgleichers, der jeden Sieg mit 2 bis 5 Kilo (in Ausnahmefällen vor allem auch mal mehr). Und selbst wenn das Pferd auf Dauer die Klasse eines Agl. I hat: wenn Sie mit 58 Kilo daherkommen und einen Ausgleich IV gewinnen, dann laufen sie beim 5. Rennen im Agl III (vor dem ersten Ausgleich braucht das Pferd entweder 3 Rennen oder einen Sieg in Altersgewichtrennen, also frühestens beim 3. Start sind sie mit Ihrem Pferd im AGL III) und das mindestens zweimal. Nun sind Sie beim 5. Start im Agl II und beim 6. oder 7. endlich im Agl. I angekommen. Nun klar, warum manche Trainer auch mit offensichtlich Nicht-Spitzenpferden den Weg über die besseren Rennen gehen? Verantwortungsvolle Trainer haben immer wieder mal ein solches Pferd im Stall, was durch alle Ausgleiche bis in die Grupperennen geht! Besonders die Fährhofer Pferde, bei Jentzsch wie bei Wöhler waren bekannt dafür.
Meist haben die Pferde aber eben nicht die Klasse. Manche krebsen mit 9 Jahren noch in Sieglosenrennen umher, die meisten ab dem 3. Lebensjahr im Ausgleich IV. Kaum wird ein Sieg eingefahren, gibt es 3-5 Kilo drauf und das Siegen wird schwer oder unmöglich. Und nun kommt das managen! Sie müssen als Trainer schauen, dass Sie einen solchen Kandidaten entweder weiter aufbauen oder, wenn das Potential einfach nicht da, die Kilos wieder abbauen. Und dazu muss das Pferd rennen, rennen und nochmals rennen. Nur wenn der Ausgleicher das Pferd sieht kann er eine neue Meinung haben und wird das Gewicht langsam reduzieren, wenn es nicht mehr in das Renngeschehen eingreifen kann.
Seien Sie mal Besitzertrainer**, wie würden Sie verfahren? Solange das Gewicht zu hoch, kann das Pferd auch bei bester Form nicht gewinnen. Also werden Sie das Training zumindest etwas drosseln, bis das Gewicht wieder im Bereich des Leistungsvermögens ist. Bei entsprechend reduziertem Gewicht trainieren Sie wieder zielgerichtet auf den Sieg, sprich auf 99%. Da die Leistung ja nicht von heute auf morgen von 80% auf 99% springt, ist zu erwarten, dass die Leistungssteigerung von 80% auf z.B. 92% durchschlägt. Man erkennt es recht leicht, ob ein Pferd im Kommen ist oder nicht. Wenn nach vielen schlechten Leistungen plötzlich ein Platz im vorderen Drittel herausspringt oder ein Pferd plötzlich im Endkampf auftaucht, dann wissen Sie, das Pferd ist im Kommen. Nur leider werden Sie in einem 12er Feld mindestens 2 oder 3 Pferde entdecken, die im Kommen sind oder einfach nur Glück hatten (ihr Rennen fanden). Was genau passiert, hängt natürlich auch von dem Rennverlauf ab, den der Trainer nicht vorhersehen kann: schlechter Start, Pferd wird gestört oder gar angaloppiert, das Pferd soll im Endkampf auf kurzem Wege innen in das Rennen finden und sitzt fest oder es soll außen herum kommen um dem Risiko der Blockade zu entgehen und muss wegen anderer Pferde mit gleicher Taktik - ist die häufigste Taktik - zu sehr weiten Wegen gezwungen.
Wenn ein Pferd nun so eingestuft wurde, dass es zwar im Vorderfeld mitläuft, aber nicht unbedingt eine Siegchance hat, dann sagt man, das Pferd ist „erfasst“; gemeint ist, das Gewicht entspricht dem Leistungsvermögen. Das ständige Auf und Ab an Gewicht und Form, dass ist es, was Pferderennen so spannend macht und so lukrativ, wenn man sich auskennt.
Wenn nun ein Pferd erfasst ist, dann wird es wahrscheinlich nicht mehr allzu viel Geld hereinholen und vor allem keine Siege. Hier managen gute Trainer die Pferde durch den Einsatz in Altersgewichtrennen. Das sind Rennen, wo die Pferde vom Grundsatz her das gleiche Gewicht tragen, es sei denn, es liegt der Ausnahmetatbestand vor, der mit Gewichtserlass belohnt (oder mit Gewichtserhöhung bestraft) wird. Die Ausschreibungen der Altersgewichtrennen beschreiben bestimmte Umstände die vorliegen müssen, damit bestimmte Pferde teilnehmen können. Meinetwegen heißt es dort im April 2005 „für 4 jährige und ältere Pferde, die seit dem 1.1.2005 keinen Geldpreis von 3000 € oder mehr erhalten haben. Gewicht 57 Kilo. Für jede seit dem 1.1.2005 gewonnenen 1000 € Mehrgewicht 1 Kilo“. So ausgeschrieben kann jedes Gruppepferd, welches in diesem Jahr nicht gestartet oder maximal 2.999 € an Geldpreis gewann teilnehmen. Dieses macht diese Art von Rennen so interessant. Die Rennvereine können geringe Geldpreise ausschreiben und der Zuschauer sieht die zweite Garde an einem ganz normalen Renntag. Manchmal schreiben die Rennvereine solche Rennen auch einem bestimmten Pferd auf den Leib. Allerdings kann dies dazu führen, dass die Ausschreibung nicht auf viele Pferde zutrifft und die Gegner durch das bestimmte Pferd abgeschreckt werden. Man kann sich gut vorstellen, dass solche Rennen ein ziemliches Leistungsgefälle aufweisen und deshalb gut bewettbar sind. Das sich dies bei normalem Rennverlauf mit einer kleinen Quote bemerkbar macht, leuchtet ein.
Die Ausschreibungen sind am Ende des Jahres für das ganze Jahr bekannt oder zumindest Wochen und Monate vorher – da Änderungen durchaus möglich. Ein engagierter Trainer mit Managerqualitäten kann so eine Route eines Pferdes durch kleine Rennen geschickt planen und einiges Geld einsammeln. Diese Variante sieht man bei „großen“ Trainern häufiger als bei kleinen. Nur so als Tipp...
Bei all dem darf man den wichtigen Umstand Futter nicht vergessen. Da haben viele Trainer „Geheimrezepte“ auf die sie schwören. Ob man dies in die Ecke Aberglaube tut oder Erfahrung, man weiß es nicht. Richtig ist, dass der Trainer zumindest den Ernährungsstand feststellen muss, die Vorlieben des Tieres für bestimmte Futtersorten kennen sollte und die Verwertung des Futters genau beobachten muss. Leider werden die Pferde gar nicht oder nur selten gewogen. Dies wäre ein sicheres Zeichen für den Zustand des Pferdes. Nun gut, mögen manche Trainer mit den Augen mehr sehen als die Waage zeigt. Nicht richtig ist, dass die Trainer ihre Pferde durch unerlaubte Mittel aufputschen. Dies würde keinen Sinn machen, denn irgendwann erwischt man einen Trainer ggf. zum ersten Mal und fortan ist man nicht mehr unbeobachtet. Also, es kann mal vorkommen, dass der Tierarzt einen Fehler macht, der Tierfutterhersteller irgendetwas unbewusst dem Futter beigefügt hat, was Spuren von Mitteln nachweisen lässt, das mit Doping zu umschreiben wäre. Aber dies kann auf Dauer dem Einzelnen (Futtermittelhersteller oder Trainer) nur schaden. Wann immer in Deutschland von Doping die Rede war, war fast nie zu ermitteln, lag es am Trainer oder war es ein Stallbursche. Ohne etwa unterstellen zu wollen: hat einer mal untersucht, welche Rolle das Futter spielt? Wenn mal ein Dopingfall auftaucht, man sollte es tun. Eines halte ich für sicher: Kein Trainer wird ein bekanntes Dopingmittel bewusst einsetzen!
Ganz wesentlich zum Erfolg eines Trainers trägt bei, die richtige Taktik für ein Pferd festzulegen. Hier nenne ich mal einen Trainer, der eine ganz bestimmte Grundregel kannte: Heinz Jentzsch. Alle seine Pferde wurden von vorne geritten. Das heißt, sie machten die Pace oder noch besser, gingen an Position 3-4. Das spart Wege, vermeidet Störungen und hat wohl auch mit der Erkenntnis zu tun (die ich teilen würde, so er diese hat), dass Speedpferde schneller „kaputt“ sind, als Pferde die aus dem Vorderfeld gehen. Gingen alle seine Pferde von vorne? Nein. Das Paradebeispiel für all das was ich bis hierher sagte ist Lando, lange Zeit das gewinnreichste deutsche Sportpferd, mit Siegen in renommierten Rennen im Ausland. Jentzsch hat Lando immer für ein Ausnahmepferd gehalten. Als 2 jähriger war er so gut entwickelt, dass kein Pferd an ihn herankam., egal welche Taktik man ging. Als 3 jähriger aber waren viele Pferde auf seiner Höhe. Nach der ersten Niederlage aus dem Vorderfeld heraus glaubte er noch an irgendeinen unbekannten Faktor, der Lando gestört haben muss. Nach dem zweiten Rennen glaubte alle Welt: Lando? Der ist hinüber. Nicht so Jentzsch. Im Derby ging Lando ganz ruhig ins Rennen („auf die Beine kommen lassen“). 800 Meter pure Schonung. Und dann 1.600 Meter (!) vor dem Ziel ging Lando in einem erhöhten Tempo am Feld auf äußerer Spur vorbei. Pferd auf Pferd überholte er. 200 Meter vor dem Ziel war das Pferd endlich in Front und unangefochten Sieger. 1600 Meter Speed – darauf muss ein Trainer erst einmal kommen. Jentzsch, einer der größten deutschen Galopptrainer aller Zeiten.
Am Ende muss der Trainer die Pferde weiter beobachten, denn es ist nicht so, dass ein Pferd sein ganzes Leben ein Flieger sein muss oder nur auf Speed geritten werden kann. Auf deutsch, er muss erkennen, dass z.B. die Grundschnelligkeit nachgelassen hat und deshalb ein Einsatz über Fliegerdistanz nicht mehr möglich. Über die Meile hat das Pferd dann vielleicht nicht mehr die Speedkraft. Deshalb muss er das Pferd komplett umstellen z.B. auf Frontrenner. Dieses Erkennen, ist eines der wichtigsten Erkenntnisse die Sie als Wetter oder Besitzer haben müssen. Welcher Trainer kann dies? Wenn Sie das wissen, dann wissen Sie wohin Sie ihr Pferd geben können oder welchem Trainer Sie als Wetter vertrauen können, dass die Distanzänderung nicht nur ein Versuch ist oder gar eine Finte um den Ausgleicher zu bewegen, sondern dass diese Nennung Sinn macht.
Bitte erwarten Sie jetzt nicht, dass ich hier eine Liste von Trainern erstelle die „es“ können oder eben nicht. Achten Sie einfach auf die Rennen und hören den Interviews von Trainern genau zu.
Nun werden Sie mich fragen, was kostet so ein Trainer? Am besten Sie fragen die Trainer selbst. „Otto-Normalverbraucher“ wird pro Monat 600 Euro für Training, Kost und Logis aufbringen müssen. Dazu kommen Kosten wie Transport, Nenngelder, Tierarzt (teuer!) und und und. Rechnen Sie im Schnitt ab 1000 Euro. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Die Preise der großen Trainer werden nicht öffentlich gehandelt. Teils auch deshalb, weil keiner zugeben mag, wie teuer er bezahlt, teils weil keiner wissen soll, das er es günstiger bekam. Also fragen Sie einfach und entscheiden dann.
Zum Thema Optimismus noch ein Wort. Der Trainer scheint immer Optimist. Dies ist sicher nicht immer berechtigt. Die Entwicklungszyklen der Pferde sind im 3. Lebensjahr sehr ausgeprägt, aber im 4. Jahr noch erkennbar. Bei einem 5 jährigen Flachpferd sehe ich kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten auch wenn Ausnahmen mal auftauchen. Die einzige Entwicklung eines älteren Pferdes sehe ich in Richtung Hindernisse. Das Trainer immer wieder auf die Frage, ob das Pferd noch besser wird mit „ja“ antwortet hat eher mit Pessimismus zu tun. Denn wen er ehrlich „glaube ich nicht“ sagen würde, dann hätte er mindestens 600 Euro im Monat weniger, welches ihn ernsthaft in der Existenz bedrohen könnte. Sehen Sie also optimistische Äußerungen bei Pferden ohne Sieg oder nach langer Durststrecke eher als Angst an. Sicher kann der Trainer ihnen ein Beispiel eines seiner früheren Pferde nennen, doch wie viele andere Beispiele könnte er entgegenhalten wen er wollte. Also eher ein Pferd in Rente schicken und die hohen monatlichen Kosten für ein neues, junges Pferd anlegen. Sie wissen ja: „mit ein klein wenig Glück, gehört Ihnen der nächste Derbysieger“.
* Die meisten Trainer sind sogenannte PublicTrainer. Also, ein Trainer der für jeden Besitzer ein Partner sein kann. Manche Gestüte leisten sich einen eigenen Trainer, der nur ihre Pferd trainiert. Stall Röttgen (4711) hat das mal so gemacht, kommt aber langsam aber sicher aus der Mode
** Trainer die ihr eigenes Pferd trainieren aber nicht die Erlaubnis haben, die Pferde anderer Besitzer zu trainieren.
WinWinSituation(auf diese Geschichte verweise ich auch bei dem Themenkreis Pferd und Jockey). Vor jedem Rennen versammeln sich die Trainer, der Jockey und als Nebenbesetzung der Besitzer. Hier gibt der Trainer dem Jockey die "Order". Er kennt das Pferd aus dem Rennen, weiß am ehesten sein Pferd einzuschätzen (ist eine Galoppierer, ein Speedpferd - Eigenschaften wie Stehvermögen oder Flieger [=Distanzen unter 1.300 Meter] hat er schon dadurch berücksichtigt, das er das Pferd in diesem Rennen genannt hat. Die Frage ob das Pferd den "Boden kann" [fester Boden, gut, durchlässig oder schwer] kann er ggf. durch Abmeldung vor dem Rennen korrigieren, denn ein Rennen ohne Chance nützt wenig, macht die Arbeit der letzten Tage oft hinfällig.
Nach der Order geht es hinaus an den Start und ins Rennen. Nach dem Rennen sieht man hin und wieder ein paar Trainer, deren Gesicht Bände spricht und oft den Jockey auch etwas vorwerfen. Völlig verfehlt. Natürlich machen auch die Jockeys Fehler, reagieren aufgrund einer Rennsituation anders als die Order lautete, aber eigentlich ist nun die Zeit gekommen, wo der Trainer die besten Hinweise von dem Reitersmann bekommen kann ... obwohl, ich würde mich lieber auf das Urteil des Jockeys (ist man ab 50 Sieg) verlassen, als auf das eines wenig erfahrenen Reiters. Anhören sollte man aber beide. Und da beginnt meine Geschichte des Trios Pferd-Jockey-Trainer (man beachte die geänderte Reihenfolge). Und Sie werden sehen: wenn Jockey und Trainer sich austauschen, dann wird es eine Win-Win-Situation denn einen guten Analysten im Sattel bucht man gerne wieder.
Im 3. Rennen am 30.07.2018 in Köln iief ein Pferd welches die ersten drei Start in Aufgewichtsrennen absolviert hat, damit es überhaupt vom Handicaper eingestuft werden kann und die Berechtigung zum Start im Ausgleich bekommt. Diese drei Rennen verrieten nicht allzu viel über das Pferd. Es wurde wie meist in dieser Situtation sehr vorsichtig geritten, hin und wieder versucht der Jockey mal eine Situation, wenn er Gelegenheit findet oder mehr über das Pferd wissen möchte. Zum Beispiel könnte er einen Zwischenspeed einlegen, um zu sehen, wie schnell kann es in der normalen Rennsituation antreten. Aber wie gesagt, das Pferd verriet nichts.
Muss es auch nicht unbedingt, denn der Trainer hat im Trainung natürlich auch schon manches erkannt und austesten lassen. Und so gehen solche Pferde dann beim 4. Start in ein Ausgleichsrennen, wo der Trainer natürlich Ambitionen hat. Und wenn ein erfahrener Trainer wie C.v.d. Recke dann einen Top-Jockey bucht, dann hat er mehr als Hoffnung. Beim 4. Start war Rene Piechulek im Sattel, ein Jockey, der bei diesem Trainer gelernt hat und einige Erfolge feiern konnte. Man versteht sich und dann kann und wird man miteinander auch nach dem Start reden wollen. Im Rennen ging das Pferd gut mit und machte immer einen fitten Eindruck. Bis es in die letzte Kurve ging und es enger wurde. Sofort war die Aufmerksamkeit des Pferdes nicht mehr auf den Jockey gerichtet, sondern es reagierte sichtlich nervös, wollte weg aus der Lücke wo links und rechts Pferde drückten und bald hatte es den Kopf ganz oben. Von da an hatte der Jockey kein gut gehendes Pferd mehr und alle Hilfen gingen ins Leere.
Ich hatte kein Mäuschen. Der Trainer wird es genau so gesehen haben wie ich. Dennoch: hier muss der Trainer dann dem Jockey Fragen stellen und die Ursache finden, dass jenes Pferd nicht so durchdringen konnte, wie man es erhofft hatte. Den Dialog kann man aber erahnen. Der Jockey bestätigt, dass das Pferd gut ging, bis es dann in die Bedrängnis im beginnenden Endkampf kam und abschaltete. Schlichtweg kein Pferd, was sich durchwühlen kann, eher ein ängstliches Pferd. Bei dem Start am 30. Juli hatte man dann den Top-Jockey Andrasch Starke gebucht. Die Taktik war zweifelsohne von vornherein klar: nicht zwischen den Pferden gehen, am besten gleich die Initiative selbst übernehmen, sich erst gar nicht stören lassen.
Da ich das Pferd - wenn auch im leichten Feld - nicht als Galoppier identifizieren konnte, hatte ich auf die mögliche Taktik vertraut und das Pferd gänzlich aus meiner Wette genommen (was man bei Starke kaum machen sollte) obwohl es bei fünf Favoriten (35-77) mit 77 viel Vertrauen trug. Und so kam es, das Pferd ging die komplette Distanz an der Spitze, konnte dann aber den Speedpferden nichts entgegen setzten.
Diese Geschichte soll Sie dazu animieren, vor jedem Rennen nicht den Quoten zu folgen, sondern sich mit den Formen zu beschäftigen, zu analysieren und eine Entscheidung pro oder Contra treffen. Sie werden bald ein Fachmann für Galopprennen sein. Denn was DD (Daniel Delius) der Tippgeber im Führring der Sie alle mit seinen Hinweisen betreut, tut auch nichts anderes als ich .... und SIe ab heute.
Wie wird die nächste Taktik sein? Ganz klar: Seitenblender anlegen. Wir werden sehen...
Aktuell Ort Re
aufgeführte Quoten wurden mit TIpp getroffen
Tipp (Nichtstarter) Einlauf (Starter)
Sieg 2er Zwilling
* Hochrechnung
Legende: Zahl Treffer :10 - kein Gewinn x nicht wettbar