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Offen - Was sind Vollblüter ... 

Nünrberg, 13. Oktober 2010 Thema Hengst/ Wallach und Zucht:
Hengst- Wallach. Das oberste Organ (Direktorium, www.galopp-sport.de) hat den staatlichen Auftrag die Vollblutzucht zu fördern. Dazu wurden (historisch gesehen) "Zuchtrennen" veranstaltet. Zuchtrennen-Teilnehmer mußten sich über die "normalen" Rennen durch Leistung qualifizieren. Diese Rennen sind und waren Ausgleichs-Rennen. An Zuchtrennen konnte zwar theoretisch jeder teilnehmen, aber in der Regel fanden sich dort Pferde so ab ca. 86 kg GAG. Zuchthengst durfte nur werden, wer in seinem Rennsportleben einmal 96 kg mindestens erreicht hatte. 

Die Zuchtrennen sind heute die Grupperennen und auch Listenrennen. Heute wird alles sehr viel internationaler gesehen; da "unser" System nicht weltweit galt, sondern im Ausland (ich denke die Amis haben das eingeführt) konnte sogar ein ungeprüfter Hengst Deckhengst werden. So war es schon seit langem (immer oder später?) in Englang so, das Wallache in den höchsten Rennen starten durften. Dort war und ist es eine reine Marktfrage, ob ein Deckhengst erfolgreich war oder nicht. Und erfolgreich kann man nur werden, wenn man genügend Stuten bekommt und so weiter. Auch bei uns sind heute Wallache im "Zuchtrennen" zugelassen - ich bin nicht so ganz sicher, ob im Derby auch. Muss mal in die Ausschreibung gucken, ob dort Hengste und Stuten oder 3jährige Pferde steht (der feine Unterschied ist in der Schreibweise erkennbar).

Ach ja zum Thema Frauen: wie so oft werden Stuten (äh, Frauen) bevorzugt: niemand verlangt, eine bestimmte Mindestleistung im Rennen. Aus England ist eine Studie bekannt, die feststellte, dass Stuten, die in hochkarätigen Rennen erfolgreich waren (oder war es gelaufen waren) in der Zucht weniger erfolgreich waren, als Stuten die eher mittelmässig einzustufen waren, aber auch, dass unterklassige Stuten wohl weniger Rennfähigkeit vererben.

Hilft das? Und zum Thema warum Wallach? Ja, schon der Hinweis auf England zeigt ja, dass die Leistungsfähigkeit eines Wallachs dem eines Hengstes nicht nachsteht. Im Gegenteil, die Ablenkung ist geringer (wie im richtigen Leben halt) und da kann manch ein Rennbahnbesucher sich im Führring ein Bild machen. Also das ist dann schon eher peinlich, nicht das ich neidisch bin...
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Zum Thema 2jährige Pferde wollte ich schon länger berichten (ist auf einigen meiner Seiten gestreift worden). Hier nun eine Antwort auf eine Leseranfrage, die eigentlich alles sagt, was ich zu diesem Thema sagen will und kann: Okt 2010
Zu früh für 2jährige die Starts beim Herbstmeeting in Baden-Baden? (Ich will ja gar nicht von Iffezheim reden, dass klingt so wie Provinz. Und Provinz ist in Deutschland eher negativ belegt, in Frankreich steht Provence für Tradition, Romantik und Gemütlichkeit). Nun, die ersten Starts haben diese Pferde ja bereits im Mai absolviert. Eigentlich traditionell an diesem Ort; da aber BB 2010 Früh(jahr) schon früh ausfiel, kamen die Pferde auf anderen Rennbahnen zum Zuge. Dort waren die Pferde des Jahrgangs 2008 am Start und waren in aller Regel ziemlich genau 24 Monate alt. Nun mit 30 Monaten – und eine Wochen nach dem Winterfavoriten in Köln also endlich (aber nicht erstmals 2010) in Baden. 

Sicherlich kann man darüber streiten ob dies zu früh ist oder nicht. Hier sollte man beachten, dass die Vollblutzucht ja auf frühreife Pferde ausgelegt ist. Dazu sollte man – und das ist eigentlich auch das, was ich auf meiner Seite zu diesem Thema ja beschreibe – ruhig mit den Menschen die Parallele suchen. Bei uns sind ja auch die Buben schon auf dem Fußballplatz. Und wenn man sie nicht ließe (wie uns damals), dann spielt man halt auf der Wiese – so wie wir auf der Straße spielten bis ein Auto kam und danach ging es weiter. 

Und genau so wie als Kinder ist es mit den Pferden. Da waren Talente dabei, die körperlich sehr weit waren und von Anbeginn die Besten waren. Doch wir, die Anderen, entwickelten uns langsam weiter, mancher mit Kampfgeist, mancher mit Lernfähigkeit. Als dann im Verein gespielt wurde, waren sicherlich einige der Besten der „ersten Stunde“ in der Ersten Mannschaft von Altona 93, aber die meisten Spieler der „Ersten“ waren jene, die sich erst spät entwickelten.

Diese Erkenntnis ist wichtig. Denn sonst wundert man sich, dass ein Pferd doch schon früh den Großen Preis von Dings & Bumms gewonnen hat und als 3jähriger den Ausgleich III einfach nicht packen kann. Viele Pferde haben seit der ersten Stunde einfach nicht weiterentwickelt; sie „lebten“ von Attributen wie Frühreife, Robustheit, Gewandtheit. Und nun sind andere auch so weit oder eben meist schon weiter. Dennoch gibt es aber frühe Talente, die nun nicht mehr „frühere“ Talente, sondern feste Größen in den Grupperennen sind. Meist – und das wissen gute Trainer – sind es Pferde die 1, 2 mal als 2 jährige liefen und dann spät, sporadisch und gezielt auf die wirklich wichtigen Rennen vorbereitet werden. 

Aber auch das wissen die Trainer, nämlich, dass es Pferde gibt, die frühreif sind und bald in der Masse untergehen. Und da darf man als Trainer, Besitzer und Züchter froh sein, dass es Rennen für 2 jährige Pferde von Mai bis Oktober gibt, die hohe Rennpreise ermöglichen. Sozusagen, die Junioren Meisterschaft national, ja sogar international. Eine Berechtigung für Junioren-Länderspiele kann man ebenso wenig abstreiten, wie die Rennen für 2 Jährige. Auch wenn es den Freizeitreitern gar nicht in den Kopf will, denn ihr Pferd wurde erst 4 jährig angeritten…

Am Ende kommt es „nur“ darauf an, ob ein Trainer so viel Verantwortung zeigt, dass er nur dann ein Pferd auf die Rennbahn schickt, wenn er sich sicher ist, dass der Schutzbefohlene kein Schaden nimmt. In diesem Sinne: Viel Glück auch bei den 2j-jährigen!

WinWinSituation
Jedes Pferd hat seinen eigenen Charakter. Das muss der Trainer erkennen. Ist das ein Raufer, hat es Angst im Pulk zu gehen, ist es faul oder kämpft es mehr mit dem Reiter als gegen die Gegner. Zu diesem Thema habe ich einiges unter der Rubrik Trainer geschrieben - lesen Sie dor t weiter. Ich denke, nur wenige haben den Galoppsport aus dieser Sichtweise schon mal betrachtet. Es geht nicht ums Wetten, es geht um das Verstehen und dann dürfen Sie wetten.

 
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