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Der Jockey
Untertitel:
Ein Jockey wird nicht geboren, sondern erkoren
Jockeys gewinnen keine Rennen, Jockey verlieren Rennen
Amateur
Die drei Merkmale eines guten Jockeys (Neu 18.02.2006)
WinWinSituation (das 4. Merkmal)

Ein Jockey wird nicht geboren, sondern erkoren. 
Erst mal ist jener, welcher Jockey werden will, ein Stift. Ein Auszubildender oder jemand der einen Beruf erlernt. Er lernt Pferdewirt mit Schwerpunkt Rennreiten. Da er als Lehrling sicher noch nicht soviel Erfahrung und vor allem Können aufweist, wie ein Jockey, hat er bis zu dem Zeitpunkt, wo er Jockey ist, eine Gewichtserlaubnisse für normale Rennen. Näheres regelt die Rennordnung, deren neueste Variante ich nicht besitze. Wichtig ist, dass im Rennprogramm der Gewichtsabzug bereits abgerechnet wurde. In ( ) steht dann dabei, um wie viel "Erlaubnis" das ursprünglich vorgesehene Gewicht reduziert wurde. Die maximale Erlaubnis beträgt 5 Kilo und nimmt um ein Kilo für jede vollendeten 10 Siege ab. Dabei ist noch zu beachten, dass die Rennordnung Besonderheiten enthalten kann und konkret enthält, die aber veränderbar sind. So gibt es in besseren Rennen keine Gewichtserlaubnis. Aber das ist alles unwichtig, Sie sehen ja die Erlaubnis aus dem Rennprogramm, dort ist die Erlaubnis bereits abgerechnet. Im Internet unter “Direktorium” noch nicht.

Unabhängig ob die Lehre noch im Gange ist oder schon lange beendet, bleibt es bei der erreichten "Erlaubnis". Erst wenn die 50 Siege voll sind, ist der Azubi, der nach der Lehre "Rennreiter" wäre, ein "Jockey". Dieses Privileg sagt allerdings insofern recht wenig aus, als damit unklar bleibt, ob er, der Jockey, dafür 3 oder 30 Jahre gebraucht hat. Also denken Sie nicht, da gibt es keine Gewichtserlaubnis, also ist der Jockey gut. Mitnichten. Sie wissen nichts über den Jockey, vor allem nicht wie gut er ist. 

Was glauben Sie, wie viele Azubis, Rennreiter und Jockeys nicht als Talente erkannt werden. Ich habe da einige Beispiele parat: Ein Azubi soll ein Pferd von "vorne" reiten. Also, vom Start weg in Führung gehen. Dies tut er tatsächlich. Allerdings nicht so wie es sich sein Lehrherr vorstellte. Er führte bei einem 2400 Meter Rennen nach 1000 Meter mit 15-20 Längen. Das Pferd unterlag und brauchte Wochen um sich von dem Rennen zu erholen. Der Jockey wurde noch im Absattelring der Horner Rennbahn entlassen, fristlos. OK, er hat einen Fehler gemacht, wie hätte er sich weiterentwickelt, wenn man ihn noch weitere Chancen gegeben hätte? 

Zwei junge Reiter, ich kann nicht mehr mit Gewissheit sagen, ob sie schon Jockeys waren, ich glaube aber ja. Nur sie ritten nicht für die Spitzentrainer und Ställe. Bad Harzburg, 1980 oder ein, zwei Jahre später. Es fiel mir auf, dass beide fast jeden Ritt den sie absolvierten, in die Dreierwettplätze brachten. Es dauerte noch ein paar Monate und Peter Schiergen wurde von keinem geringeren als Heinz Jentzsch engagiert. Der andere Jockey, hieß er K. Prengschat(?), erhielt kein Engagement oder nur ein mir nicht bekanntes in einem kleinen Stall. Nun dies lag an der Äußerlichkeit möglicherweise. Was kann er dafür? Niemand wollte Kenntnis nehmen von seinem Talent. Ich möchte keinem zu nahe treten, darum sage ich hier nicht mehr zu den Dingen, die vielleicht andere störten. Ungeheuerlich! Dieses Talent versauerte. Die vorletzte Nachricht die ich erhielt ist wohl 15 Jahre alt. Nach dieser soll er in einer Fahrradfabrik bei Bremen gearbeitet haben. Die letzte Nachricht war, dass er zwei Rennen beim Wattrennen in Cuxhaven ritt, reamateurisiert. Wohl mangels Routine ohne Erfolg. Da war übrigens noch ein dritter Jockey, der in Bad Harzburg in den damaligen Wochen sehr erfolgreich ritt. Ich erkannte dies und gab meiner Frau, die die Angewohnheit hat, wenn überhaupt, dann nur eine Wette für (damals) 2,50 DM als Dreierwette auszufüllen, diese drei Namen. Und sie traf die Dreierwette mit Schiergen, Prengschat und .... Siggi Klein. Das war das Schlafzimmer für Sohnemann!. Siggi Klein war ein bekannterer, eher durchschnittlicher Jockey, der m.E. auch für Heinz Jentzsch im Einsatz war. Sicher keines von den großen Talenten, aber gut genug, auch während einer Rennwoche aufzufallen. 

Diese Beispiele sollen zum Thema Jockey und Talent genügen. Man könnte die Liste unendlich fortführen. 

Als Pferd möchte ich aus jüngster Zeit Ransom O´War nennen, der in England nur ein kleines Sandbahnrennen gewann und für nicht allzu viel Geld nach Deutschland verkauft wurde. Erika Mäder, die Trainerin aus Krefeld, machte aus dem Hengst einen Spitzengalopper der im Deutschen Derby 2003 nur denkbar unglücklich gegen den starken Tai Jin verlor. 

Trainer? Oh ja, Trainer kommen in Mode und kommen aus der Mode. Ralf Suerland hatte lange keine besonders guten Pferde im Training. Zumindest nicht erste Wahl. Nun hat er einen, der sogar zur Wahl des Galopper des Jahres stand, Martillo. War Suerland plötzlich so viel besser als vor Jahren? Oder messen die Menschen falsch? Ja, das wird’s sein. Die Menschen beobachten wenig und lassen sich von Fakten beeinflussen. Statistiken. Sie sprechen natürlich eine Sprache, die Statistiken, nur verstehen muss man sie. Und das ist nicht jedem möglich. Fanelsa in Bremen hat Anerkennung gefunden, nachdem Askant auch Thema in einer Fernsehsendung wurde. Ich habe nicht gemessen, aber ich bin mir sicher, der Zuspruch hat sich bei ihm erhöht. Andere Trainer haben weniger Pferde als früher. Peter Lautner, Championtrainer 1988 und 1990 ist er seit 1990 schlechter geworden oder warum fährt er nicht mehr so viel Siege ein, hat weniger Pferde? Er ist aus der Mode gekommen. 

Bei den Trainern und Jockeys kann man vielleicht ein Sinnbild anwenden. Das Sinnbild, das dort Geld hinkommt, wo schon welches ist. Das mag hier zutreffen. Wenn die Erfolge sich mehren, wird man auf ihn aufmerksam. Mehr Besitzer tragen ihm das Training ihrer Pferde an. Es kommt mehr Geld in die Kasse und er kann es sich leisten einen guten Jockey zu engagieren. Sonst muss er hoffen, ein Talent zu finden und Glück haben, dass der Erfolg des Jockeys sich in mehr Pferde und damit mehr Einnahmen niederschlägt, damit er das Talent halten kann. Ein Vergleich Bayern München in der Fußball-Bundesliga und den "kleinen" Vereinen drängt sich auf. So ist es halt im Leben....

Jockeys gewinnen keine Rennen, Jockeys verlieren Rennen
Ich höre ein Raunen? Gut, ich habe Sie erreicht! Was zeichnet einen guten Jockey aus? Eine ruhige Hand, ein starkes Finish, ein gutes Gefühl für Renntempo, Bahnkenntnis, ein Gespür für das Pferd und ein gutes Timing. All das hilft dem Jockey, doch gewinnen wird er das Rennen damit allein nicht. 

Lassen Sie mich auf die grüne Wiese gehen oder besser auf die rote Tartanbahn. In der Leichtathletik sehen wir Sprinter, Mittelstreckenläufer und Langstreckenläufer (von Marathonläufer brauchen wir im Zusammenhang mit Pferderennen nicht sprechen). Die Sprinter mag man fast noch wegdenken, denn derart kurze Rennen, dass man vom Start bis ins Ziel gleichmäßig schnell läuft - also ohne Taktik des Wartens oder gehen, wie im 100 Meter Sprint - gibt es in Deutschland nicht. In Skandinavien ja, das wären 500 Meter Rennen die dort üblich sind. Gehen wir auf die Mittel oder Langstreckenläufer. Dort gibt es Läufer die können mehr und die anderen weniger gut "finishen" (".... mitten auf den Rasen? ...", Loriot lässt Grüßen). Wer weniger gut finishen kann, muss einen Vorsprung herausholen. Er muss also versuchen seine Kraft, die er ja selbst einschätzen kann (oder etwa nicht?), so verteilen, dass er an dem Punkt, an dem der Konkurrent seinen Endspeed einsetzt, so weit weg ist, dass er sich ins Ziel "retten" kann. Sie wissen, dass das keinesfalls - auch den Weltklasseläufern - immer so gelingt. Da kommt es auch vor, dass der "Speedläufer" seinen Speed zu früh oder zu spät ansetzt. Zu spät, weil er vielleicht seine Kraft richtig einschätzte, aber die Kraft des Gegners unterschätzte... Oder zu früh, weil er den Gegner oder sich überschätzte. So kommt er vorbei und dann bleibt er fast stehen. Mir ging es mal so, um das aus dem Sportlermunde zu hören. Ich machte "Leichtathletik", rundherum. Also laufen, springen (Hochsprung war ich ein Talent, mein erster "Flop" im Leben ging über 1,60 Meter!) und werfen. In der Jahn-Kampfbahn im HH-Stadtpark waren an einem Tag französische Gäste und ratterten in kurzen Heads 200 Meter Läufe in Zeiten von unter 30 Sekunden herunter wie eine Popcornmaschine. Angespornt verabredete ich mit meinem Freund einen Testlauf. Mann gegen Mann. Er gegen mich, ich gegen ihn. Ich, na klar, Galopprennfan wusste es genau. Bis zur Zielgeraden und dann mal sehen. Spätestens die letzten 50 Meter, da gehe ich ab. Und los. Er vorweg, ich innen daneben. Tempo? Kein Problem! Kraft? Einen ganzen Rucksack voll! Zielgerade. Ging das locker! Nein, nein, der Bursche beschleunigt nicht mehr, also warten und dann machst du den nieder. 50 Meter. Kraft, ja denke ich, vorhanden. Und Speed! "Bitte was?", sagte mein Körper? "Speed?". Nix. Mit einem mal war der Akku leer. Gut dass dort ein paar hübsche Mädchen zuschauten, sonst wäre ich ausgestiegen. So belegte ich mit großem Abstand den ehrenvollen zweiten Platz. Mein Freund hingegen wurde nur vorletzter..., kannten Sie schon den Witz, na ja. Was will ich damit sagen? Nun ich war selbst - gut trainiert - der Meinung erheblich mehr Kraft zu haben, als tatsächlich vorhanden. Nun stelle man sich mal vor, ich hätte einen kleinen Mann im Ohr, der mir die Befehle gibt. So wie das Pferd und der Jockey. Nur dass das Pferd den kleinen Mann nicht im Ohr trägt. 

Wie in aller Welt soll der Jockey wissen, wieviel Kraft das Pferd hat. Wann er den Speed ansetzten muss und ob er vorne weggehen kann und wie weit weg er gehen muss vor dem Feld oder ob er nur vor dem Feld ohne größeren Vorsprung gehen muss? 

Und da beginnt das Zusammenspiel. Das Zusammenspiel zwischen Jockey und Trainer. Der Jockey muss spüren, ob da noch was ist. So ganz ohne Signale ist das Pferd ja nun auch nicht. Die Ohren, Flüssigkeit der Bewegung, die Haltung des Kopfes und das Nicken. Da kann der Jockey dem Trainer wichtige Hinweise geben, ob das Pferd genügende Kondition hat, wie es auf Hilfen reagiert und wie spritzig sich das Pferd gibt. Der Trainer macht daraus dann seine Rückschlüsse und formt das Pferd zu einem Galopprennpferd. Dabei entscheidet er, ob das Pferd als Galoppierer vorne weg marschieren kann und soll oder ob es mit Speed kommt und wo der Speed bei normalem Rennverlauf angesetzt werden muss. Der Jockey muss nun versuchen, dieses Konzept anzuwenden. Also vorneweg gehen, nur eine Länge oder weniger. Hauptsache nicht bedrängt. Und schon beginnt das Problem. Was ist, wenn ein anderes Pferd neben ihm, schon vor der Distanz auftaucht und auch die Führung will. Soll er vorbeilassen? Mitgehen, oder noch schneller gehen? Diese Entscheidung ist schon Teil des Gespräches im Führring (oder schon zu Hause im Stall). Man kennt die Gegner ja im Normalfall. Also, "der will auch vorne gehen, gehe mit" oder "wenn xyz besser abkommt, dann lass ihn gehen, aber hänge dich dran". Nur auch hier gilt "manchmal kommt es anders und zweitens als du denkst". Was ist, wenn ein anderer mitgeht? Gehe ich dann schneller? Oder lass ich ihn auch vorbei und hänge mich hinter die beiden? Fragen über Fragen, die der Jockey in der Sekunde des Geschehens entscheiden muss. Er kann nicht sagen "ich lass den vorbei" und dann "oh lieber doch nicht, der hat mehr Speed als meiner" und die Taktik umstoßen. Nein, ein Pferd, so sagt man, beschleunigt im Rennen nur einmal auf seine Höchstgeschwindigkeit. Was macht der Jockey, wenn er im Mittelfeld gehen soll aber das Gefühl hat, dass Rennen ist zu schnell. Ist es zu schnell? Kann er das beurteilen? Genau dort zeigen sich die "guten" Jockeys. Die die z.B. ein gutes Gefühl für die Geschwindigkeit haben. Das heißt, die müssen schon erkennen, dass diese Geschwindigkeit, die im Ausgleich IV vielleicht viel zu hoch wäre, im Ausgleich I ein normaler Takt ist. Ein guter Jockey kennt die Bahn insoweit, dass er weiß, in der ersten Kurve darf ich nicht zu hart innen gehen, weil das nach außen treibt (z.B. Frankfurt, aber schon korrigiert). Oder in der letzten Kurve nicht in vierter Spur, da komme ich zu weit nach außen (Hannover umgekehrt, nicht innen sein, sonst komme ich nicht nach außen). Oder einer der häufigsten Fehler: der Jockey muss wissen, wie lang die Zielgerade ist und wie lang die Finishstrecke seines Pferdes ist. Oft sieht man letzte Ecke rum und Gas. Dann geht das Sterben auf der Zielgeraden los. Umgekehrt auf der Neusser Sandbahn: da musst du vor der vorletzten Kurve vorne sein (1. Reihe Spur 1-3 oder 2. Reihe Spur 1-2) sonst wird’s schwer oder für die hinteren und in der 5. Spur liegenden unmöglich. 

Nach alldem kann man sich jetzt vorstellen, dass ein Jockey das ganze Rennen über eine Entscheidung nach der anderen treffen muss. Und wenn er alle Entscheidungen richtig getroffen hat, also keinen Fehler gemacht hat, dann bringt sein Pferd Höchstleistung. Ob das Pferd dann gewinnt, dass hängt davon ab, ob es besser als die anderen ist. Umgekehrt, macht er einen Fehler und der Jockey auf den exakt genau so starken Pferd keinen, dann verliert der Jockey das Rennen. Die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers, ist wohl 100%. Ich denke da an Skirennen. Da muss ein Skifahrer von oben bis unten möglichst wenig Fehler machen. Fehlerfrei schafft das keiner. Und der, der die geringste Fehlerquote mit dem entsprechenden Können paart, der gewinnt. Skifahren passt im Vergleich deshalb besonders gut, weil es in beiden Sportarten überhaupt nicht in der Macht des Sportlers ist, wie das Rennen abläuft. Ist es beim Skirennen eine eingefahrene Spur, eine Eisplatte oder ein schräg stehendes Tor was die Fahrt beeinträchtig, so ist beim Galopprennen die eigene Position in Abhängigkeit der anderen Pferde oder eine Störung durch ein anderes Pferd oder - was besonders ärgerlich ist - ein heller Streifen auf dem Geläuf über welches die Pferde springen oder schrecken bis hin, dass auch beim Galopprennen schon zu schräg stehende Holzstecken Jockey vom Pferd geholt haben. 

Resümee an dieser Stelle: ein guter Jockey macht wenig Fehler und erhöht damit die Siegchance. Und bitte, kritisiert einen Ritt, kritisiert einen Jockey, aber bitte fair und nicht so pauschal wie mir jüngst ein Leser schrieb, als ich Hanna Mouchova lobte ("...die schlechte Mouchova..."). Jeder Jockey macht Fehler, jeder hat Stärken und Schwächen. Der eine ist im wahrsten Sinne des Wortes "stark", der andere hat mehr Gefühl für die Renngeschwindigkeit und der dritte wagt sich durch die kleinste Lücke und hat das Augenmaß dazu. Der nächste hat einen hervorragenden Sitz und federt durch einen tiefen Sitz mit elastischem Kniegelenk jeden Galoppsprung ab, so dass sein Gewicht für das Pferd – ähnlich wie beim Leichttraben – möglichst gleichmäßig erscheint., Nur wenige können das alles. Nur mehr als eine der Fähigkeiten sollte jeder Jockey haben. Und das ist nicht immer der Fall. Nur auf dem Pferd sitzen, dass kann ich auch. Ob bei 72 Km/h auch, kann man nicht testen (weil mein heutiges Gewicht die Pferde schon bremst). 

Amateur
Amateur, nun das sind Menschen, die gerne Rennen reiten, ohne sich für diese Tätigkeit entlohnen zu lassen. In aller Regel kommen diese Menschen an die Ställe um dort zu helfen. Ausmisten, Pferdepflege und auch Mithilfe beim Training. Ohne diese Helfer wären die meisten Trainingsbetriebe gar nicht überlebensfähig. Deshalb ist es vollkommen legitim, wenn diese Menschen als Lohn für ihre Arbeit in Rennen mitreiten dürfen. Dazu gibt es spezielle Amateurrennen. Für Frauen, die als weniger gut im Rennsattel gelten, sogar Amazonenrennen. 

Es hat sich immer wieder gezeigt, dass die Amateurreiter auch an ganz anderer Stelle wichtig für den Galopprennsport sind. Viele von den Amateuren wurden Profis. In erster Linie als Trainer. Mir fallen von den heute noch tätigen Trainern spontan und ohne viel Überlegung zwei sehr erfolgreiche Trainer ein: Andreas Schütz und Andreas Wöhler. Diesen Trainern war aber quasi die Trainertätigkeit in die Wiege gelegt worden, weil ihre Väter sehr erfolgreiche Trainer waren. Aber es gab und gibt auch ehemalige Amateurrennreiter, die nicht minder erfolgreich als Trainer waren als ihre Kollegen, die schon als Jockey - und damit als Profi-Rennreiter - bekannt waren.
Es gibt auch viele Fälle, bei denen sich die ehemaligen Amateure aufmachen um Profi zu werden. Der bekannteste derzeitige Lehrling ist Andreas Göritz oder auch Daniela Katharina Werning. 

Resümee: Unbestritten bleibt, dass es gute und weniger gute Jockeys gibt. Gute Jockeys zeichnen sich dadurch aus, dass sie mehr Rennen gewinnen. Äußeres Merkmal. Achten Sie auf Details: reitet er ein gutes Finish (da ist Starke wirklich gut, viel Einsatz von Kraft, achten Sie darauf, wie er das Pferd regelrecht nach vorne drückt), kann er vorne und hinten reiten, bleibt er bei zu schnell gelaufenen Rennen hinten bzw. im Mittelfeld, usw. 

Die drei Merkmale eines guten Jockeys
Sitz - Peitsche - Arme
Ich kehre kurz mal zu einem anderen Thema, um eine Metafer zu erzeugen. Ich bin - oder wohl besser war - ein excellenter Bowler. Habe in einer Städteauswahl gespielt und - nach damaligen Leistungen - einen absolut erstklassigen Schnitt gehabt. Dies hat funktioniert, obwohl ich selbst einen Stil spiele, der damals nicht sehr verbreitet war. Die Kugel schob ich aus der vorderen Hüfte ohne viel Schwung, der Daumen steht weiter links als bei extremen Spin-Bowlern, technische Finessen habe ich gescheut: die Kugel hat kaum eine Wuchtung, ich spielte mit einer kleineren 13-er “Damenkugel”, ich kannte nicht mal alle Kugelvarianten und benutze nie Bandagen. Und trotzdem hatte ich einen Schnitt von über 200 (1986). Meine Schützlinge spielten fast alle in der ersten Mannschaft, nur wenige schafften mit meiner Art die Reife der 1. Mannschaft nicht. 

So möchte ich betonen, dass ein guter Jockey durchaus einen schlechten Sitz haben kann (Starke), die Peitsche zu häufig und brutal einsetzt (Piggot) und wenig “Arme” hat (Amazonen haben selten starke Arme). Doch hätte ich mir beim Bowlen am Anfang das “Richtige” angewöhnt, wäre ich wohl nicht schlechter gewesen, vielleicht sogar besser. Und dieses gilt für Jockeys nicht anders. So will ich diese Zeilen verstanden wissen. Und so ganz ohne Bedeutung ist es für Sie auch nicht, zu erkennen, ob der Jockey derzeit Erfolg hat, weil er gut reitet oder weil er gute Pferde bekommt. Dieses muss nicht unbedingt deckungsgleich sein. Ich denke da an so gute Jockeys wie A. Best, A. Weis, A. Pietsch um mal drei “A” zu nehmen und viele andere.

Der Sitz
Ich schwärme vom amerikanischen Rennsitz. Jeder Freizeitreiter weiß es, man kann im europäischem Leichtsitz genau so schnell und gut reiten wie im amerikanischen Westernsitz. Es gibt halt immer mal wieder Diskussionen. Wäre das Ergebnis eindeutig, würde die Diskussion verstummen. So auch die Frage des amerikanischen oder europäischen Sitz. Es ist kaum 20 Jahre her, da hat man in Europa - oder nur in D? - über den Stehsitz diskutiert. Am Ende kann man heute wohl sagen, dass der moderne europäische Stehsitz besser - weil erfolgreicher - ist als der dem englischen Gentleman-Stil entlehene Stil der langen Bügels. 

Die Europäer sagen - wenn sie überhaupt was dazu sagen -, dass ihr Sitz den Vorteil hat, dass man durch Gewichtsverlagerung das Pferd besser dirigieren kann. Ist dem so? Wieso sieht man in Europa mehr wegbrechende Pferde und stürzende Jockeys als in Amerika? Die Amerikaner sitzen tiefer, reiten aus dem Fußgelenk und bei stärkerer Beanspruchung aus den Knien. Also ernsthaft: ein Pferd dirigiert der Amerikaner auch mit tieferem Schwerpunkt und vielleicht mit etwas mehr Arm am Hals. Dem Amerikaner können Sie während des Rennens ein volles Trinkglas auf den Rücken stellen. Ehe dort was herausschwappt, hat der Europäer den anstattdessen mitgegebenen Rucksack verloren...

OK, sie sehen es anders. Erlaubt. Vielleicht kann ich Sie auf die Fährte bringen? Nehmen Sie doch mal einen deutschen Renntag auf DVD auf und dann von Premiere einen amerikanischen Renntag. Dann lassen Sie die DVD mit doppelter oder wenn Ihr Videorekorder (Panasonic empfohlen - Sponsor gesucht...) ausreichend Bild liefert auch vierfache Geschwindigkeit abspielen (Tim, nachmachen!!) Sie werden staunen! Den (typischen) Amerikaner sehen sie jederzeit in allen Konturen scharf, nichts, aber auch nichts scheint sich zu bewegen. Die Füsse, sehen Sie? Da wird etwas abgefangen. Dann wird es in der letzten Kurve schneller. Nun sehen Sie (nicht immer), dass die Knie in Aktion treten. Und erst im hartem Endkampf bewegt sich der Kopf stärker und Rücken etwas. Der Jockey richtet sich erst jetzt bei der Arbeit etwas auf. 

Und nun das europäische Rennen. Ich nehme mal einen wunderbaren Vergleich vom 12.02.2006, Neuss 6. Rennen. Der beste deutsche Jockey (ist Österreicher und heißt) Andreas Suborics auf “Two Hearts” kommt aus Box 11 an die Spitze und aus Box 13 gesellt sich aussen (Premiere-Pierre Hofer: ärgern) dazu. Dahinter die anderen Jockeys. DVD doppelt schnell: Sie sehen die “anderen” Jockeys kaum scharf, es wippt und schwappt - die armen Pferde. Subi etwas tiefer als die meisten Kollegen, der Kopf wippt im Takt. Sonst Ruhe. Tarkan Vardik auf “Ginster Singer” liegt tiefer, keine einzige Bewegung, mein Champagnerglas steht auf dem Rücken und nichts schwappt über. Fast wie ein “Ami”, ästhetisch der Jockey mit großer Zukunft! Im Endkampf wird Subi unruhig, die Kollegen scheinen auf Schaukelpferden zu sitzen (OK, ich übertreibe schon etwas); auch Tarkan kommt in Bewegung, ich nehme mein Glas herunter, aber man sieht auch in doppelter Geschwindigkeit weniger Bewegungen als bei anderen. Eine Ausnahme, und das ist fast komisch: Marion Weber steht fast aufrecht und wippt nur wenig - und wird am Ende tatsächlich noch Zweiter, gewinnt fast. Aber das Pferd wird auch meist unter Wert geritten (Bombalik) und hat so Gewichtsvorteil. Ich führe das Glas an den Mund: Prost! Auf Tarkan Vardik.

Es wird nicht jedem gefallen, jene sollten den Test nicht machen, nicht dass ich da etwas zerstöre... Was bringt der ruhigere Sitz? Nun, wenn man sich die Galoppade eines Pferdes anschaut, sieht man eine lange Schwebe- (Flug) Phase, das Pferd streckt die Beine nach vorne, kommt hart auf und drückt die Beine unter den Körper nach hinten und fliegt wieder. Wenn man einen Sandsack auf den Rücken schnallen würde, dann würde dieser bei jeder Landung mit vollem Gewicht auf den Rücken drücken, da sind 50 Kilo kurzfristig 100 oder mehr. Ein Jockey kann durch Anpassung an die Bewegung des Pferdes und Arbeit von Fuß und Knie vieles, fast sogar alles nehmen. Darum geht es, um nichts anderes. Das kann man - an die Metafer Bowling denken - auch mit anderen Mitteln machen. Durchaus erfolgreich. Andrasch steht mit O-Beinen im Sattel und fängt jede Bewegung ab, Klasse, nur wenig ästhetisch! Aber immerhin, es geht. 

Peitsche
Die Peitsche ist so ein Thema. Bevor man die heutigen technischen Möglichkeiten hatte, behaupteten die Offiziellen, dass die Peitsche das Pferd nie berührt. Es machte die Behauptung die Runde, ein geschlagenes Pferd würde die Lust verlieren. Deshalb zeige man nur die Peitsche. Vonwegen, heute hat jeder zuhause eine Video- oder DVD-Rekorder und kann die Schläge mitzählen. In D zählt die Rennleitung bis 7 (Schläge), dann gibt es Strafen wegen Peitschenmissbrauch. Ich will garnicht weiter auf das Für- und Wider eingehen. Peitsche wird spätestens dann nötig, wenn ein Pferd die Linie verläßt, da hilft Gewichtsverlagerung kaum oder meist garnichts. Die Peitsche schon eher. 

Die eigentliche Aufgabe ist natürlich eine andere. Das Pferd antreiben, dass ist der Sinn einer Peitsche. Es soll eine Streßsituation beim Pferd erzeugt, Adrenalin freigesetzt werden. Die Peitsche ist Streitapfel zwischen Tierschützer und Aktiven. Ohne Zweifel muss der Mensch, als der schwächere im Duo Pferd-Mensch, versuchen Waffengleichheit herzustellen. “Der Klügere gibt nach” hilft halt nicht immer. Das ist in allen Pferdesportarten durchgängig so. Nur im Galoppsport reicht vielen Jockeys eben ein kurzes antippen nicht. Rat-tat-tat-tat-tat, drei Sprünge, rat-tat-tat-tat-ta, drei Sprünge, rat-tat-tat-tat-tat, dass ist der Rythmus von Lester Piggot gewesen. Nicht besonders geeignet für die Öffentlichkeitsarbeit, aber sehr wirkungsvoll. Und Markenzeichen von Lester P.

Über Eines können wir uns sicher einigen: die Peitsche ist notwendig, aber nicht immer nötig. Es ist eine Unart, wenn einige Jocekys, kaum dass die Gerade erreicht ist, die Peitsche auspacken, 3,4 mal einsetzen und erst dann die Arme einsetzt - oder gar die Peitsche nochmals ausfährt. Wann habe ich zuletzt gesehen, dass ein Jockey die Peitsche auspackt und nicht zum Schlage führt, sondern am Auge vorbei im Takt schwingt und dem Pferd so ohne Schmerzen und Schreck die Hilfe des Adrenalins ermöglicht. So, maximal so, reitet man moderne, ästetische Pferderennen heute. Wenn die Peitsche nötig wird, dann bitte kurz und nicht die gesamte Gerade herunter. Denn eines ist wirklich nicht falsch: ein Pferd verliert leicht die Lust, das Vertrauen und das Herz wenn die Peitsche allzu oft kommt. Das hat sich keineswegs geändert, nicht durch Videorekorder und nicht durch anders argumentierende Aktive. 

Arme
Eisenarm Peter Remmert. Wenn er in die Zielgerade kam (meist mit Pferd), dann drückte er die Nase des Pferdes in das Gras (naja, nicht ganz), zwang es so den Takt zu erhöhen oder auch den Sprung zu verlängern. Wie viele Rennen gewann Eisenarm Remmert ohne Peitsche! Es geht. Nur wird dieses Mittel viel zu selten benutzt. Man kann wirklich sagen: wer das kann, der ist in der Statistik meist weiter vorne, oder kürzer gesagt: nur die besten Jockeys beherrschen dieseTechnik. Es ist eine Frage der Kraft und des Taktes. Leider sind die “Mädchen” hier etwas im Nachteil, aber auch hier gibt es - wenige - Ausnahmen. Die Arme ersetzten oft die Peitsche und sieht dabei noch gut aus - vielleicht nicht mehr in doppelter DVD-Geschwindigkeit - aber das nehme ich gerne in Kauf!Neuer Text

WinWinSituation (das 4. Merkmal)
Und da gibt es dann noch etwas, was einen wirklich guten Jockey ausmacht. Er muss das Pferd "spüren", er muss merken ob das Pferd "gut geht" (gleichmäßig bei normalem Atemgeräusch, Ohrenspiel und Kopfhaltung). Denn gerade wenn nicht gewinnt, aber auch wenn, dann ist der Jockey der "Freund und Helfer" des Trainer. Was der Trainer aus der Distanz nicht sehen kann, hat der Joekey erlebt. Ob der Hengst hengstig oder die Stute rossig, dass kann man sehen, aber den Rest muss der Jockey dem Trainer im Detail erläutern. In welcher Situation, wie war die Reaktion auf Boden-Farbänderungen usw. Diese Geschichte erzähle ich Ihnen aus einem praktischem Bespiel heraus unter der Rubrik Trainer, denn die betrifft es am allermeisten.
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