Vorläufiger Text - wird nach dem 10.04.2018 überarbeitet
Das Rennsystem
Für ganz Eilige:
Es ist nicht so, dass die Jockeys auf das Pferd steigen und los geht das Rennen. Für jedes Pferd wird nach bestimmten Kriterien ein Gewicht festgelegt. Wiegt der Jockey weniger, muss durch Bleigewichte, welche in Taschen des Sattels gesteckt werden, das geforderte Gewicht hergestellt werden. Es gibt Rennen, bei denen tragen alle Pferde das gleiche Gewicht. Solche Rennen sind aber selten. Meist werden die bisherigen Formen in der Weise berücksichtigt, dass man manchen Pferden mehr oder weniger Gewicht vorschreibt. In manchen Rennen geschieht dies in der Art, dass man den Pferde für bestimmte Geldgewinne oder vordere Platzierungen mehr Gewicht als dass Grundgewicht mitgibt oder für fehlende Leistungen oder Geldgewinne – meist auf bestimmte Zeitabschnitte ausgelegt - Gewicht erlässt. „Typisch Mann“ wird man sagen, wenn man (oder Frau) weiß, dass es sogenannte Ausgleiche (Ausgleich I bis IV) gibt, bei denen jedem Pferd an den Vorleistungen gemessen ein solches Gewicht zugeordnet wird, dass es im Ziel mit allen Pferden gleichauf ist – totes Rennen nennt man dieses. Um in einem Ausgleich startberechtigt zu sein, muss sich das Pferd in anderen Rennen durch einen Sieg oder drei sieglose Starts qualifiziert haben. Durch diese Vorleistung (Sieg oder drei Rennen vom Start bis ins Ziel) wird es speziell dafür bestimmten Personen im Gefüge des Galopprennsports ( sogenannte Ausgleicher) ermöglicht, die Leistungsfähigkeit der Pferde zu beurteilen. Das einmal festgelegte Gewicht (GAG genannt) wird durch jeden neuen Start auf die Probe gestellt und gegebenenfalls verändert.
Rücken Sie jetzt vor auf „Ende“; gehen Sie nicht über „Für Wissbegierige“, sondern direkt zum Ende. Sie kassieren nicht mehr Wissen.
Für Wissbegierige:
(Anmerkung: Soweit auf die Rennordnung (RO) Bezug genommen wird, handelt es sich um die Version Dezember 2007)
Verwandete Abkürzungen:
DIR = Direktorium / German Racing (www.german-racing.com) ... nicht mal .de Kennung....
RV = Rennverein
RO = Rennordnung
GAG = GeneralAusGleich
EBF = European Breeders´ Fund (Europäischer Züchterfonds – nur für 2- und 3-jährigen Rennen)
LR = Listed Race (Listenrennen)
Einführung
Aller Anfang ist schwer, darum gehe ich nach dem Adam-und-Eva-Prinzip vor. Also es beginnt damit, dass ein Pferd - konkreter ein Vollblutpferd - geboren wird. Aus gleich erkennbaren Gründen steuert man die "Bedeckung" so, dass ein Pferd irgendwann in den ersten Monaten eines Jahres geboren wird – um Gottes Willen aber nicht im Dezember des Vorjahres! Das Alter eines Vollblutpferdes bestimmt sich allein nach dem Geburtsjahr. Es wird am 1. Januar des auf die Geburt folgenden Jahres 1 Jahr alt, ein früh im Jahr geborenes Pferd ist also klar im Vorteil. In diesem Alter wird dann - wenn nichts dagegen spricht - so langsam aus dem Vollblutpferd ein Rennpferd. Es wird an den Sattel gewöhnt, an den Reiter und eingeritten. Schon erschrecken die Reitersleute unter den Lesern, denn im Reitsport erfolgt dies in der Regel ein Jahr später. Nun gut, dies liegt an der Zucht, die auf besonders frühreife Pferde bei "Galoppern" Wert legt. Man mag darüber streiten, ob das frühe Anreiten zu Schäden führt oder nicht. Ich denke, ein verantwortungsbewusster Besitzer und vor allem ein solcher Trainer nimmt Rücksicht auf die Konstitution des neuen Arbeitgebers, denn das Pferd gibt ihm Arbeit und nicht der Besitzer. Der Trainer bekommt nur dann Geld, wenn das Pferd möglichst lange bei ihm tätig und mehr Geld, wenn es dazu noch besonders erfolgreich ist.
Mit 2 Jahren beginnt dann häufig der Ernst des Lebens; etwa ab Mai werden die ersten Rennen für 2-jährige Pferde ausgeschrieben - sprich: die Rennvereine (= Veranstalter der Rennen) geben dem "Direktorium" (= Dachorganisation, die einen entsprechenden staatlichen Auftrag erfüllt. Internet: www.galopp-sport.de) bekannt, dass sie ein Rennen für 2-jährige Pferde veranstalten wollen. Die "Ausschreibung" beschreibt genau, wer an diesem Rennen teilnehmen darf, über welche Distanz es führt und wie viel und welche Preisgelder und möglicherweise Ehrenpreise gegeben werden. So könnte eine Ausschreibung aussehen (Beispiel an einem Rennen aus Baden-Baden, wo meist das erste Rennen für 2-jährige im Jahr angeboten wird):
" Badener Jugend-Preis Preise 11.000 € (6.500, 2.700, 1.200, 600). Prämie für den Besitzer des inländischen (Nr. 21 RO) Siegers in Höhe von 1.250 €. EBF-Prämie für den EBF-prämienberechtigten Sieger in Höhe von 3.000 €. Ehrenpreis dem Besitzer, Trainer und Reiter des Siegers, gegeben von der Familie Schubert. 110 € Einsatz (30, 35, 45). Für 2-jährige Pferde, die nicht gelaufen sind. Gew 57,0 kg. 1000m"
Bumm, wat´n Pfund. Eigentlich brauchen Sie als Wetter hierzu wenig wissen. Interessant sicher die Distanz, der Rest eher weniger. Manches ist für Wetter total wertlos. Also schmeißen wir schon mal weg, alles rund um EBF, Ehrenpreis und 21 RO (RO = Rennordnung, zu kaufen - wenn auch wenig nützlich - bei dem DIR).
Interessant ist der Rennpreis 11.000 €, wobei die Zahlen in Klammern bedeuten, dass der Sieger (römisch I bei mir) 6.500 € bekommt, der II. 2.700,der III. 1.200 und der IV. 600 €. Alle anderen Pferde gehen leer aus. Dann stoßen wir auf "110 € Einsatz (30, 35,45)“. Dies sagt, dass wenn man sein Pferd in diesem Rennen starten lassen will, muss man das Pferd "nennen" und dafür ein Nenngeld (so eine Art Eintrittsgeld) bezahlen. Das Nenngeld ist 1% des Rennpreises – dieser Prozentsatz wird vom Direktorium festgelegt und kann auch mal geändert werden. Die 3 Zahlen in Klammern sagen, dass es 3 Termine gibt, zu denen man aktiv werden muss oder auch nicht. Eines ist klar: soll ein Pferd (vielleicht) am Rennen teilnehmen, so muss es beim Direktorium (oder beim Rennverein) „genannt“ werden. Beim Direktorium hat der Besitzer ein Konto (a´la Bank) und bekommt das erste Nenngeld (hier 30€) vom Konto abgebucht. Zum 2. Termin wird der nächste Betrag von 35€ nur dann abgebucht, wenn der Besitzer – bzw. der Trainer - das Pferd nicht abmeldet = streicht. Zum letzten Termin erfolgt dann die „Starterangabe“ womit die 3. Abbuchung mit 45€ fällig wird. Die genauen Termine kennen der Besitzer und der Trainer aus der ursprünglichen Ausschreibung, die insoweit zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung etwas umfangreicher ist, weil diese dort genannt werden.
Dann folgt in der Ausschreibung die Information, dass dieses Rennen (nur für) für 2-jährige Pferde gedacht ist und über 1000 Meter führt und das die Pferde 57 kg tragen sollen.
57 Kilogramm? Ja, der Jockey sollte samt Sicherheitsweste, Stiefel, Seidenblouson, Hose (hoffentlich! Mädchen tragen keine Röcke - schade), und Sattel mit Gurt und Satteldecke genau 57 kg auf die Waage bringen. Dies bedeutet auch, dass der Jockey selbst nicht über 55 kg wiegen sollte, denn viel mehr als 2 kg kommen beim Rest nicht zusammen. Verboten ist ein sogenanntes „Mehrgewicht“ aber nicht, wenn es zum Zeitpunkt der Starterangabe bekanntgemacht wird. Der Reiter kann schon bei der Erstnennung angegeben werden. Bindend ist dieses aber erst zum Zeitpunkt der Starterangabe; eine vorherige andere Reiternennung kann bis dahin geändert werden.
Sollte der Jockey samt Ausstattung die 57 kg nicht auf die Waage bringen, dann werden Bleiplatten in die Satteltaschen gesteckt, bis 57 kg erreicht werden. Viele sprechen dann vom „toten“ Gewicht – dazu komme ich dann bei den Jockeys, wenn ich es bis dahin nicht vergesse.
Mehr zum Thema Jockey
finden Sie beim Klick auf Jockey
Exkurs: So, an dieser Stelle machen wir mal einen kleinen Break, damit Sie mir beim Folgenden nicht zusammenbrechen. Ich möchte Ihnen etwas Orientierung geben, was das Rennsystem anbelangt. In Deutschland gibt es gemäß 324 RO
- und ich rede erst einmal ausschließlich von Flachrennen - drei Rennarten:
Altersgewichtrennen
Ausgleich
oder
Verkaufsrennen.
Behalten Sie bitte vor allem den Begriff “Altersgewichtrennen” im Kopf, denn dieser Oberbegriff wird, zeitweise auch von mir, oft mit dem Unterbegriff “Aufgewichtsrennen” verwechselt.
Für Hausfrauen (und diese Zuordnung der Vereinfachung kommt nicht von mir, sondern entspricht dem Wunsch einer solchen mit dem seltenen Namen Annette - ich grüße Dich Annette):
Altersgewichtrennen = Normale Rennen (wenn wir auch bald sehen, dass dies so normal und einfach nun auch wieder nicht ist), bei denen alle Pferde gleiches Gewicht tragen oder nach objektiven Kriterien Mehrgewichte oder Mindergewichte bekommt. Die Bezeichnung als „Alters-Gewicht-Rennen“ ist so ganz astrein eigentlich nicht. Unterteilung kommt 2 Absätze weiter noch.
Ausgleichsrennen = Rennen, bei denen man versucht, die unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten durch Gewichte - nach subjektiven Gesichtspunkten - auszugleichen, so wie die Hausfrau beim Teebeutelweitwurf die Kinder ja auch näher an das Zielfeld herantreten lässt… ach, gibt es nur in Ostfriesland – bei den echten Ossis?
Diese Methode - die vor allem von Anfängern oft als ungerecht angesehen wird - soll zum Ziel führen, dass alle Pferde im Ziel gleichauf sind. Das kommt tatsächlich aber nie vor. Es kommt mal vor, dass drei Pferde auf einer Rangstelle sind, aber schon zwei Pferde auf einem “Platz” ist selten. Dabei kann es sein, dass 2 oder 3 Pferde gemeinsam auf Platz „eins“, zwei oder drei sind. Die Platzierung nimmt der Zielrichter vor, der zur Sicherheit immer ein Zielfoto anfertigt, mit deren Hilfe er auf 2-3 cm genau die Reihenfolge der Pferde im Ziel erkennen kann). Im ersten Moment klingt das es wenig bedeutsam, dass mehr als ein Pferd auf einen bestimmten Platz kommen kann. So ist schon darüber nachzudenken, dass im Falle, dass zwei Pferde auch durch ein Zielfoto “nicht zu trennen sind”, es sehr angenehm ist, das nun mehr Wetter gewonnen haben; unschön ist allerdings, dass der Ausschüttungstopf nun geteilt wird. Da in aller Regel die eingezahlten Gelder nicht auf alle Pferde gleichmässig verteilt ist, kommt es dazu, dass die Wetter auch verschieden hohe Gewinne bekommen. Nun gut, das verstehen wir jetzt schon. Aber man stelle sich vor, dass auf den Plätzen 1 und auf Platz 2 jeweils ein Pferd ist, aber auf Platz 3 deren drei! Das Zielfoto läßt also nicht erkennen, welches der drei Pferde “die Nase vorne hat”. Für wettkundige Leser vorweggenommen: es gewinnt eine Siegwette, eine Zweierwette, aber es gewinnnen 3 Dreierwetten mit jeweils gedritteltem Ausschüttungsbetrag. Vorgekommen ist dies soweit ich weiß nach dem Kriege zweimal – zuletzt wohl in Hamburg in 2004 (?). Die Konstellation mit mehreren Pferden auf einem Platz nennt man übrigens „totes Rennen“ “auf den Plätzen x und y”. Tote Rennen kommen aber nicht nur in Ausgleichrennen vor, sondern sind eher querbeet auf alle Rennarten verteilt.
Ich sprach die empfundene Ungerechtigkeit der Gewichtsdifferenzierungen an. Für die Wetter ist diese Rennart ganz besonders interessant! Denn in diesen Rennen gibt es durch die nicht ganz leicht zu taxierenden Gewichtsunterschiede teils dicke Überraschungen. Faustdick ist dabei manchmal noch zu dünn.
Zum Thema Ausgleichrennen sollten Sie noch wissen, dass ein Rennverein an einem Renntag nur 4 Ausgleiche (so die RO) ausschreiben darf - in den Monaten Dezember bis Februar 5 Ausgleiche. So richtig wichtig ist es nicht, es sei denn Sie wollen nur in Ausgleichen wetten – was ich empfehle.
Verkaufsrennen, bei denen der Preis die Einflussgröße für das zu tragende Gewicht ist. Also eine recht subjektive und beeinflussbare Größe..
Oben waren wir gerade bei einem "Altersgewichtrennen", wenn wir den Oberbegriff für "normale" Rennen benutzen wollen. Nach 254 RO ist ein Altersgewichtrennen
entweder ein
Zuchtrennen
oder ein
Aufgewichtrennen. (ich verwende die neue dt. Rechtschreibung soweit sie mir bekannt ist, deshalb hier ohne „s“ nach „Aufgewicht“)
Zuchtrennen
Zuchtrennen verlangt, dass die Pferde alle ein einheitliches Gewicht tragen, Stuten bekommen 2 kg Erlaubnis (wohl so eine Art Hausfrauenrabatt). Es handelt sich dabei um die EBF- oder sogar Gruppe-Rennen. Hierzu später mehr.
Aufgewichtrennen
Die andere Art der "normalen" Rennen ist ein "Aufgewichtrennen", bei denen das vom Pferd zu tragende Gewicht, abgesehen vom Alter und Geschlecht, von den Gewinnen des Pferdes abhängt. Oben in dem Rennen, sind aber nur Pferde zugelassen, die zum ersten Male laufen. Und da sagt dann die RO, dass ein Rennen für Pferde, die noch nicht gestartet sind, als "Aufgewichtrennen gelten".
Zur weiteren Einordnung in einem geistigen Bild: Zuchtrennen ist die Leistungsprüfung die maßgeblich für die Zucht ist - in aller Regel züchtet man Rennpferde nur mit Siegern aus Zuchtrennen. Dies gilt in erster Linie für Hengste, Stuten werden oft für die Zucht geschont und sind so hochklassig nicht gelaufen. Ausnahmen bei Hengst & Stute: Verletzungsbedingte fehlende Rennkarriere.
57 kg fragen Sie noch einmal? Im Programm (nach Pferdenamen alphabetisch oder nach Gewicht und Namen sortiert) stehen doch auch Pferde mit 55 kg. Da sehen Sie mal, wie gut Sie schon sind. Im “Forum“ (ich sagen ihnen die Internetadresse nicht, weil Sie mir dort nur verblöden würden – wie Sie selbst gleich merken werden) gibt es Leute, die haben das nach Jahren immer noch nicht bemerkt. Mehr zu diesem Thema kommt weiter unten unter „Stutenerlaubnis“.
So, jetzt wissen wir immerhin, dass jenes obige Rennen in Baden-Baden als "Aufgewichtrennen" gilt. Wenn ein solches Rennen nun nur als "Aufgewichtrennen" gilt, aber offensichtlich keines ist, was ist denn bitte schön, ein "Aufgewichtrennen"?
Aufgewichtrennen ist ein Rennen, bei dem das vom Pferd zu tragende Gewicht von den Gewinnen des Pferdes abhängt - abgesehen vom Alter und Geschlecht. Wie sieht das konkret aus? Nun, der Veranstalter könnte ja schreiben "für 4 jährige Pferde, die seit dem 1.10.2007 kein Rennen gewonnen haben" (meist ein Zeitraum von 4- 12 Monaten). Andere Variationen denkbar - üblich ".... kein Rennen auf Gras gewonnen haben". An dieser Stelle folgt das "normale" Gewicht. "54 Kilo" z.B. Und nun zum Aufgewicht. "Pferde, die seit dem 1.10.2007 einen Geldpreis von über 2.000 € gewonnen haben 2 kg mehr; einen Geldpreis von über 4.000 € 4 kg mehr". Anstatt 2.000 bzw. 4.000 € findet man auch 3. und 2. Platz und andere Umschreibungen. Ja, manchmal ist ein Rennen so merkwürdig umschrieben, dass man das Gefühl hat, die wollen ein bestimmtes Pferd auf die Rennbahn locken. Also möglichst Pferde, die schon mal in Grupperennen (so etwas wie Championsleague, nur für Pferde) gelaufen sind.
Neben dem "Aufgewicht" kommt es heute allerdings viel öfters vor, dass man "Abschläge" macht. Also z.B. als "normales” Gewicht nicht 54, sondern 58 kg vorgibt. Die Ausschreibung spricht dann nicht mehr von "…gewonnen ..", sondern von "Pferde, die seit dem (Datum) keinen Geldpreis von 4.000 € gewonnen haben 2 kg weniger, keinen Geldpreis von 2.000 € gewonnen haben 4 kg weniger".
Sogar die GAG - Marke (so nennt man das Gewicht, welches der Ausgleicher festgesetzt hat) kann als erstes Kriterium gelten - dies ist eine Münchener Spezialität; mir schmecken die Weißwürste selbst nach 12.00 Uhr allerdings besser...
Und dann gibt es ja noch die Variante des Alters (denken Sie an "abgesehen vom Alter..:"). So könnte es auch heißen, für 4 jährige und ältere Pferde 58 Kilo, für 3 jährige 52 Kilo. Und der Stuten-Hausfrauen-Bonus gilt dazu immer noch! Darüber hinaus kann sich ein solches Rennen an Sieger oder sieglose Pferde richten. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Aber Rennen die „Aufgewichte für das Alter“ vorsehen, sind relativ selten.
Eine Ausnahme gibt es am Ende dann doch noch (nicht umsonst ist die RO die "kleine Bibel"): in der Ausschreibung für 2- und 3 jährige sieglose Pferde darf die Gewichtserlaubnis nicht mehr als 2 kg betragen - ein Aufgewicht ist nicht zulässig. Wie sinnig, denn da wo ein Aufgewicht nicht zulässig, erlaubt man eine Erlaubnis. Na gut, das Ergebnis ist das Gleiche.
So und dann ist der Tag des Rennens gekommen und die Dinge nehmen im wahrsten Sinne des Wortes ihren Lauf. Der ersten Start im Leben. Irgendeiner gewinnt, einer wird zweiter, einer Dritter, einer Vierter usw. und einer Letzter. Der RV hat ebenfalls ein Konto beim DIR und bekommt 11.000 € abgebucht, die Besitzer ihren Teil gutgeschrieben.
Nun müssen Sie wissen, das das DIR zwei oder mehr sogenannte Ausgleicher bestimmt hat. Diese gucken sich das Rennen (original, Video oder auf Papier) an und legen für den Sieger ein Gewicht fest, welches die Leistungsfähigkeit des Pferdes darstellen soll. Dieses Gewicht nennt man den Generalausgleich oder auch GAG abgekürzt aus GeneralAusGleich. Wie gesagt, weil es das erste Rennen für alle Pferde war, bekommt nur der Sieger ein GAG, welches sich nach jedem Rennen ändert - oder besser, anpasst an die dann gezeigte Leistung.
An der Stelle schon ein erster Tipp: Die Leute denken immer, mit dem vom Ausgleicher festgelegten Wert des GAG hat man Herrschaftswissen und wird reich. Nee, nee, nur der Herr Ausgleicher wird reich und das, obwohl fast jedes Gewicht nicht stimmt. Aber das ist nicht falsch, weil er die Leistung nicht einschätzen kann, sondern weil er nicht weiß, wie das Pferd sich entwickelt, trainiert und geritten wird. Für dieses Rennen - und besonders für Rennen, bei denen alle Teilnehmer schon öfters gelaufen sind - stimmt der GAG ziemlich genau. Nur vergessen Sie den GAG, denn würde der hergeben was er verheißt, dann würde Wetten nicht lohnen können, weil alle das gleiche Wetten!
Abgesehen von den Rennen für Pferde, die zum ersten Male starter, finden wir in anderen Rennen alle denkbaren Konstellationen, also z.B. Pferde die zum 1., 2., 3. oder x-ten Male laufen. Die Pferde, die zum 3. Mal - vom Start bis ins Ziel - laufen, bekommen unabhängig von der Platzierung nun auch ein Gewicht verpasst, ihren GAG also.
Für Aufgewichtrennen kann man also zusammengefasst feststellen:
Das Rennsystem kennt Aufgewichtrennen, welche sich an 2-, 3- oder auch 4-jährige Pferde richten kann; eine Durchmischung wie z.B. “3-jährige und älter Pferde” ist möglich. Dabei wird vorerst ein Gewicht bestimmt, welches alle Pferde zu tragen haben. Von diesem Gewicht wird abgewichen, wenn festgelegte Kriterien zutreffen; ein weiterer Abzug von 2 kg wird für Stuten vorgenommen. Die Pferde erhalten erst dann vom Ausgleicher ein Gewicht (=GAG), wenn sie entweder gewinnen oder dreimal ins Ziel kamen.
Verkaufsrennen
Ein Verkaufsrennen ist ein Rennen, bei dem das zu tragende Gewicht außer vom Alter und Geschlecht nur von dem bei Nennung angegebenen Einsatzpreis abhängig ist. Gewichtserlaubnis des Reiters wird berücksichtigt. Nach dem Rennen kann jedes Pferd erworben werden, wobei das Mindestgebot dem Einsatzpreis entspricht. Wer ein Gebot abgeben möchte, muss sein Angebot in ein Behältnis im oder beim Sekretariat abgeben. Die Gebote werden dann nach Waageschluss (nach dem Rennen werden alle Jockey nachgewogen um zu überprüfen, ob die Gewichte nicht “versehentlich” verloren gingen. Wenn dies beendet, ertönt für alle hörbar ein Klingelton und er Richterspruch endgültig) geöffnet und das jeweils höchste Gebot kommt zum Zuge, wenn der Käufer binnen 30 Minuten die Zahlung nachweisen kann. Es findet also keine Versteigerung statt. Die Rennausschreibung lautet z.B. „Pferde die käuflich zu erwerben sind. Gewicht 54 Kilo für einen Einsatzpreis ab 11.000 €, 56 kg ab13.000 €, 58 Kilo über 15.000 bis 16.999 €, 60 kg für darüber liegende Einsatzpreise.
Meiner Ansicht nach sind die hier als Einsatzpreis bezeichneten Mindestkaufpreise – mit wenigen Ausnahmen – so etwas wie Traumpreise der Verkäufer. Früher wurde nur der Sieger verkauft. Das führte nach meinem Gefühl dazu, dass nur auf die Plätze geritten wurde. Heute kann jeder Teilnehmer “gefordert” werden. Wohl deshalb findet man heute gaaaanz selten ein Verkaufsrennen. Nach meiner Recherche finden im Jahre 2008 in Deutschland nur 7 Verkaufsrennen (je eines in Baden-Baden, Hamburg, Honzrath, Dortmund und 2 in Bad Doberan) statt. In Frankreich hingegen findet mehr als einmal wöchentlich ein Verkaufsrennen statt. Dies hat mit den Preisen der Pferde und der ausgeschriebenen Rennen und auch der „Trainerpreise“ sicherlich etwas zu tun.
Zuchtrennen
Ein Zuchtrennen ist – wie wir wissen – ein Altersgewichtrennen, welches nicht Aufgewichtrennen ist. Dies sind entweder Rennen mit
EBF-Prämien, Listen- oder Grupperennen. Vom Grundsatz her handelt es sich dabei um Rennen für Pferde, die sich als die Besten herausgestellt haben. So etwas wie Bundesliga bis hin zur Championsleague, um die Begriffe aus dem Fußball zu verwenden. Dabei gibt es dann
EBF-Rennen
Hier gibt es für EBF-zugelassene Pferde gesonderte Prämie zusätzlich zu dem Preisgeld des Veranstalters. Diese Gelder werden europaweit eingesammelt. Der Züchter muss für die Zulassung des Pferdes einen bestimmten Betrag, man kann schon sagen “Beitrag” zahlen. Dieser “Beitrag” wird mit 100% zum Zeitpunkt der Bedeckung fällig, wobei ein Mindestbetrag in der Größenordnung um 800 € Mißbrauch vorbeugen soll. Dann werden weitere Beträge bei Trächtigkeit und Geburt (so ich mich recht erinnere ist dies der Stand 2008) fällig. Da kommt natürlich etwas zusammen. Die Züchter rechnen sich halt aus, dass sie dies über die Preise beim Verkauf wieder hereinbekommen, denn dem Besitzer winken im Rennjahr für 2- und 3-jährige Pferde ganz erhebliche und vor allem zusätzliche Gewinne. Und wer ein Pferd so jung kauft, der tut dies in der sicheren Hoffnung, dass dieses Pferde sein Geld wert ist. Übrigens: das bislang teuerste Pferd, welches jemals gekauft wurde, verliess gerade vor wenigen Wochen den Rennstall, ohne das es jemals ein Rennen bestritt. Ich denke das ich nicht so falsch liege, wenn ich behaupte, dass es 20 Millionen Dollar gekostet hat... (wer es genauer weiß, darf mir gerne die Quelle des Wissens nennen).
Listenrennen
Listenrennen, unterteilt in „L“ für nationale Listenrennen oder internationale Listenrennen (LR) und
Grupperennen - als die „Championsleague“; wobei es drei Stufen gibt - „GI, GII und GIII“. Die Grupperennen werden von der „International Federation of horseracing authorities“ (IFHA) bestimmt und unter der Internetseite www.horseracingintfed.com veröffentlicht. Das Verfahren “Grupperennen” ist einfach und konfliktreich zugleich. Jedes Land hat das Recht, ein Grupperennen auf die Beine zu stellen; es muss nur den Anforderungen gerecht werden.
Dabei ist erste Voraussetzung, dass die Mindestgeldpreise ausgeschrieben werden. Da das Rennpreisniveau der Länder sehr unterschiedlich ist, wird der Mindestgeldpreis entsprechend angepasst. Wenn wir uns die einzelnen Länder anschauen, stellen wir fest, dass Gruppe-III-Rennen bei einer Dotierung beginnen, die zwischen (nur!!) 3.000 und 377.000 € liegen – je nach Land.
Nach aktuellem Stand (2016) beginnt dies bei 50.000 € für die Deutschland, 70.000 € für Irland, für Großbritannien 37.000 englPfund (= 73.519 €), für Neuseeland 100.000 nzPfund (=76.630 €), 80.000 € für Frankreich und Italien, für USA = 100.000 $ und 377.000 € für Japan um den Status Gruppe III (als unterste Stufe) zu erreichen; Die unterschiedlichen Summen spiegeln in etwa das Rennpreisniveau in den genannten Ländern wider und zeigen damit auch, wie hoch die „kleineren“ Rennen dotiert sind. Wenn in Japan Rennen, die unseren Listenrennen entsprechen für 200.000 € Dotierung ausgeschrieben werden, dann bekommt der Japaner die noch besseren Pferde nur dann in eine Rennen, wenn er noch mehr Geld anbietet. Und so sind die teils drastisch geringen Ausnahmen aufgrund der Kaufkraft die Länder Südamerikas, bei denen es sogar schon bei rund 3.000 € in Chile losgeht zu erklären. Auf Deutschland bezogen beginnt die Gruppe II bei 65.000 € und die Gruppe I 155.000 €. Gut erkennt man den Zusammenhang Preisgeld in Grupperennen und Preisgeld in Rennen mit geringerem Niveau bei einem unsere „Mit-„ Europäern: den Italienern. Dort werden Listenrennen (bei uns ab 20.000 €) selten unter 50.000 € ausgeschrieben. Warum sollte ein „Italiener“ im schweren Grupperennen starten, wenn er das gleiche Geld im leichteren L.-Rennen bekommt. Klar, nicht? Und nun müssen Sie noch wissen, dass das oben genannte Nenngeld bei „Gruppe-Rennen“ 1,5% der Gewinnsumme beträgt (Stand 2008).
Zusammengefasst folgendes Preisgerüst „untere Schwelle“ nach deutschen Maßstab (2016):
L 15.000 €
LR 20.000 €
G III 50.000 €
G II 65.000 € und
G I 155.000 €
So gerüstet, kann jedes Land (Rennort) ein Listen- oder Grupperennen beantragen und wird dieses beim ersten Mal ziemlich sicher mit diesem Status genehmigt bekommen. Allerdings muss die Rennklasse auch stimmen. Deshalb bewertet – einmal im Jahr - eine Kommission, die aus Kommissaren der wichtigsten Rennnationen (so auch Deutschland, nicht aber Österreich) besteht und prüft, welches durchschnittliche internationales Ranking (95 GAG = 110 WTRR – World Thoroughbred Racehorse Ranking) in diesem Rennen vertreten war. Damit kann das Rennen aus der Liste der Grupperennen entweder abgestuft werden bis zum LR und sogar ganz aus der Kategorie herausfallen. Am meisten vom „Abstieg“ bedroht sind derzeit die Italiener. Dort war die Klasse – wie ich ja schon seit Jahren anmerke – nicht jene, welches auf der Verpackung stand. Ich entsinne mich an einige Derbyfavoriten, die in Italien in Gruppe I Rennen platziert waren, hier aber im Derby regelrecht farblos blieben und niemals auch nur im Ansatz Gruppe-Charakter zeigten. Auch bei uns sind Grupperennen bedroht, sogar das Derby könnte den Gruppe I Status bald verlieren, wenn es nicht gelingt, mehr ausländische Klasse anzulocken. Wie wäre es mit der Zusatzausschreibung „100.000 € für den Sieger, wenn er zum Zeitpunkt des Starts ein WTRR von mindestens 120 vor dem Rennen aufweist, weitere 100.000 € wenn der Sieger dieses Rennens im irischen, englischen oder französischen Derby unter den ersten Drei platziert war“. Das könnte evtl. die Starter locken. Das die Kommission auch einen Aufstieg beschließen kann, ist dann logisch.
Grupperennen in Europa gibt es derzeit nur in Frankreich, England, Irland, Deutschland, Italien und je eines in Norwegen und Schweden (welche zeitweise den Gruppestatus verloren). Die Türkei hatte auch mal ein Grupperennen; Galopprennsport sieht man aber auch ohne Grupperennen in (fast?) allen Osteuropäischen Ländern, Österreich, Schweiz, Holland, Belgien, Spanien und Dänemark. Fehlt ein Land? Ich denke nein.
Beim Thema IFHA: per 10. Juni 2008 steht dort ein Pferd aus deutscher Zucht auf Platz 5 der Bestenliste, was gleichbedeutend damit ist, dass diese Pferd die Nummer 1 in Europa ist: Getaway aus dem Stall von Baron Ullman, vom Franzosen Fabre in Paris trainiert. Nach einem wenig glücklichen Rennen am 7. Juni könnte das Pferd nun allerdings etwas zurückfallen.
Grupperennen richten sich – genau wie bei den Aufgewichtrennen –an 2-jährige Pferde, an 3-jährige Pferde, an 4-jährige oder an ältere Pferde; auch hier ist eine Durchmischung möglich, z.B. „für 3-jährige und ältere Pferde“. Die Gewichte sind gleich, wobei es spätestens dann doch Abstufungen gibt, wenn 3-jährige und ältere Pferde oder gar 2-jährige und ältere Pferde zugelassen sind. Dann bekommen die 2- und 3-jährigen Pferde in Abhängigkeit von Distanz und Monat des Rennens einen Abschlag. Grund hierfür ist bei dem Alter, dass die Pferde noch in der Entwicklung stehen. Bei der Distanz ist es interessanterweise so, dass 2-jährige Pferde schnell genug sind um in kurzen Rennen mithalten zu können, aber noch nicht die Substanz haben, um schadlos lange Strecken unter den Höchstanforderungen, die ein Grupperennen stellt, zu bestehen. So findet man „2-jährige und ältere Pferde“ normalerweise nur über Distanzen von 1.000 Meter bis unter der Meile.
Die Abschläge sind in ellenlangen Tabellen zusammengefasst und gelten im Übrigen auch für andere Rennen (Aufgewichtsrennen, wenn sich diese nicht nur an 4-jährige und ältere richten sowie auch und sogar für Ausgleichrennen). Ich zeige einen Teil der Tabellen unter dem Ausgleich am Ende – obwohl Sie sich damit nicht beschäftigen müssen, weil Sie die Gewichte „Netto“ geliefert bekommen.
Ausgleichrennen
Wie besprochen bestimmt der Ausgleicher für jedes Pferd ein Gewicht, welches seiner Meinung nach der Leistungsfähigkeit des Pferdes entspricht. Für die Einstufung zeigen Wetter, Trainer und Besitzer nicht immer Verständnis. Dennoch muss man den Ausgleicher als jemanden sehen, der seinen Job so gut macht, wie jeder andere gewissenhafte Mensch auch. Das nicht alle Gewichte – ja fast keines – ganz korrekt ist, liegt (im wahrsten Sinne) in der Natur der Sache. Denn wenn ein Pferd nach 3 Rennen (schon) ein GAG bekommt, ist es schwer zu erkennen, in welcher Phase sich das Pferd befindet. Der Ausgleicher sollte dabei zwar – bei jungen Pfeden - die Entwicklung etwas vorwegnehmen (siehe auch die Abschlagstabelle am Ende des Artikels), aber er sollte schon erkennen, ob ein Pferd ausgeritten wurde oder nicht. Und das ist die Crux – ohne jemanden zu nahe treten zu wollen, aber ich habe den sicheren Eindruck, dass es Trainer gibt, die etwas „mauern“ – wie man beim Skat sagen würde.
Die Besitzer könnten aber nicht nur das Interesse haben, dass ihre Pferde unterschätzt werden, sondern auch hoch eingeschätzt werden. Denn immerhin werden die besten Hengste oft Deckhengste. Und das kann sich lohnen, mehr lohnen als die Rennpreise. So kann man dann vielleicht den damaligen Besitzer von „Arszlan“ – Stall „Reich´s British Art“ verstehen, dessen Pferd damals ½ Kilo an der Zulassung als Deckhengst fehlte (heute ist sein bestes GAG mit 90,5 kg noch ersichtlich, damals ging es aber um 95 oder 94,5 kg. Daraufhin schloss der Besitzer seinen Rennstall – wenn er ihn heute auch immer wieder kurz mal öffnet… Die Begierde wurde vom Besitzer sicherlich auch dadurch gefördert, dass das Fernsehen eine Reportage von dem Engagement des Pferdes in Cagnes sur Mer zeigte: „Arszlan läuft heute in Cagnes sur Mer“ – 1983 und gewann dort im Prix de Bastia und wurde noch einmal II und ging dann sogar im Großen Preis von Baden (Gruppe I) mit – wurde aber unter Dave Wildman nur 8. und damit Letzter.
Kurz die Frage der Höhe der Decktaxe: Ein Hengst bekommt im Idealfall 50 Deckaufträge p.a. In Deutschland sind die Decktaxen (so nennt man den Lohn für den Liebesdienst der Hengste) international gesehen gering. Schon für 1.000 € werden „Sprünge“ angeboten. Selbst ein Top-Deckhengst kann in Deutschland kaum mehr als 20.000 € verlangen. International hängen Sie ruhig eine Null dran…
Nun aber zum Ausgleich und dem Ausgleicher. Wie macht er das? Einfach 60 Kilo für einen Sieg, 57 für einen II, 56 für einen III Platz usw.? Gehen wir da einmal in die Richtlinien „R1 – Anweisung für die Tätigkeit der Ausgleicher“ hinein: Ein Ausgleicher wird danach tätig, sobald ein Pferd für einen Ausgleich genannt wurde und soll bei der Festsetzung des Gewichts vom letzten Jahres-GAG ausgehen (wird immer Anfang Januar veröffentlicht) bzw. ersatzweise nach einem früher veröffentlichten GAG des Pferdes und eine spätere Leistung sowie das Alter des Pferdes unter Beachtung der Rennstrecke berücksichtigen. Wenn ich es richtig im Kopf habe, dann beträgt der MindestGAG für ein Pferd derzeit (nach der Wende reduziert) 38 kg; nach oben – und das weiß ich definitiv –sind keine Grenzen gesetzt. Damit nicht Pferde mit 50 kg gegen Pferde mit 90 kg aufeinandertreffen, sind die Ausgleiche in vier Gruppen unterteilt: Ausgleich 1, Ausgleich 2, Ausgleich 3 und Ausgleich 4; wobei man die Ziffern in römischen Zahlen schreibt. Dadurch gibt es fairer Rennen, wie ich im übernächsten Absatz erläutere.
In den Flachrennen beträgt der (2015)
Abzug Ausgleich I 24 – 35 kg
Abzug Ausgleich II 13 – 23 kg
Abzug Ausgleich III 2 – 12 kg
Zuschlag Ausgleich IV 0 – 14 kg
2018:
Ob und wie die Ausgleiche abgestuft werden, ist Sache jedes Mitgliedlandes der Galopprenngilde. So haben wir beispielsweise in Deutschland seit "Menschens-" Gedenken nur 4 Ausgleichsklassen. In Frankreich haben wir 6 Stufen, dort als "Course" B, C, D, E, F, G bezeichnet. GB kennt gar 7 Stufen: Class 1,2,3,4,5,6,7.
Um international eine Vergleichbarkeit der Rennen zu ermöglichen, hat die IFHA die Rennen in Kategorien von A bis G (nach französischem Muster) eingeteilt. Man muss allerdings in Deutschland sehr genau hinschauen, denn häufig passt die Bezeichnung des Ausgleiches nicht zur Bezeichnung der KAT. Solche Fehler siehr man schon mal in Dresden, die aber - darauf aufmerksam gemacht - von German-Racing nach eigenem Bekunden die Auskunft "nicht falsch" bekommen. Ich habe das sichere Gefühl, dass wieder mal keiner "da oben" etwas von Pferderennen versteht...
Mindest-(renn-)gewicht 47 kg: Die für Amateure und Auszubildende zulässigen Erlaubnisse mindern das vorgesehene Gewicht, jedoch bleibt es bei dem Mindestgewicht wie beschrieben. Der Abzug in Amateurrennen ist aufgrund des durchschnittlich höheren Gewichts der Amateure rund 10 kg geringer bzw beim Zuschlag höher.
Was bedeutet dies? Nehmen wir das fiktive Pferd mit dem sinnigen Namen „Klassehengst“ und mit einem GAG von 100 Kilo. Der könnte durchaus im Ausgleich I mit 66 kg laufen, wenn die Ausschreibung „GAG -34 kg“ vorsieht. Ob der Klassehengst allerdings gegen Pferde eine Chance hat, die GAG 85 kg haben (und deshalb mit 51 kg starten dürfen) steht nicht auf diesem Blatt. Unser System sieht ein durchgängiges Gewicht für alle Klassen (nicht aber für alle Distanzen) vor. Die Engländer (oder waren es die Iren - oder beide?) schreiben je Klasse ein Renngewicht in ihre Skalen. Ob dies besser oder schlechter? Nun, nehmen wir mal das Pferd mit dem passenden Namen „Lahmeente“ (die Namen sind auf 18 Zeichen begrenzt, was dazu führt, dass manche Besitzer Worte ohne Zwischenzeichen zu einem Wort zusammensetzten. So wird aus „Lahme Ente siege mal“ Lahmeentesiegemal“) mit einem GAG von 38 kg. Wenn diese nun im „allgemeinen Ausgleich“ (gibt es heute nicht mehr) starten würde und die Ausschreibung „GAG +12“ vorsieht, dann läuft Lahmeente mit 50 kg und Klassehengst mit 112 kg. Eigentlich toll: da reite ich dann endlich mal in einem Galopprennen mit. Und obwohl ich deutlich besser reite als der beste deutsche Jockey, hätte mein Pferd wohl keine Chance. „Rennbar“ wären vielleicht 50 gegen 80, höchstens 85 kg - wo es dem Willen des Direktoriums folgend - wohl ganz eng am Ende wird. Ich habe dieses Thema schon untersucht und könnte es belegen – will es aber nicht…Glaubt es oder glaubt es nicht. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass das rechnerische Gewicht von 85 kg praxisfremd wäre und real sogar nur 75 oder 80 kg wäre!
Klassehengst würde wohl nicht in diesem Rennen teilnehmen, weil er bessere Siegchancen unter 57 kg in einem Grupperennen hätte, denn da gehört er mit 100 kg GAG hin. Mangels Masse der Ausgleich-I-Klasse wird man einen Ausgleich I in Deutschland am ehesten mit einer Ausschreibung am unteren Ende der Skala: „Ausgleich I, GAG -24 kg“. Ausgehend vom Normalgewicht eines Jockeys (55 -57 kg) kommen so auch Pferde mit einem GAG 79 für den Start infrage. Wenn wir etwas tiefer gehen, können wir dokumentieren, dass eine gute Ausschreibung auch Pferden sowohl der höheren, als auch der tieferen Klasse eine Startmöglichkeit eröffnet. Kreieren wir einen Agl III mit „GAG – 6“. Hier können alle Pferde von Haus aus starten, die 56 bis hin zu rund 66 kg GAG haben. Die „vernünftige“ Renngewichtsspanne beträgt 50 -60 kg. Völlig OK. Das GAG-50-Pferd ist „normal“ aber ein Agl IV-Pferd für einen Ausschreibung mit „GAG +5“. Das GAG-66-Pferd eher schon Agl II „GAG-13 mit Leichtgewichtsjockey (unter 54 Kilogramm Lebengewicht). Und wenn ich dann noch daran danke, dass es für manche Reiter Abzug gibt, dann könnten mit der maximalen Lehrlingserlaubnis von 5 kg sogar GAG-71-Pferde hier mit 60 kg – und mit Chancen - an den Start gehen. So gewann ein Agl II Pferd am 8. Juni 2008 in München mit 66,5 kg (nach Abzug von 5 kg Lehrlingserlaubnis) gegen Pferde bis herunter zu 48,5 kg im Ausgleich IV – das hätte ich mir gar nicht denken können!).
Darf aber die „LahmeEnte“ trotz der nicht so ganz passenden Ausschreibung in dem zuerst genannten Ausgleich I starten? Natürlich. Zwar müsste das Pferd eigentlich nur 38 GAG minus 34 Abzug = 4 kg tragen, aber andererseits ist das Mindestgewicht ja 47 kg. Also läuft es - wenn der Trainer es will - mit 47 kg gegen „Klassehengst“ mit 66 kg. Aber da diese Gewichtsdifferenz nicht so hoch ist, wird der Trainer „LahmeEnte“ dann doch abmelden.
Ersteinstufung im GAG
Nun wird es schwierig, nicht aber kompliziert. Wenn ein Pferd gewann oder das 3. Mal ohne Sieg ins Ziel kam, soll der Ausgleicher ein Gewicht vergeben. Wie tun? Es gibt keine konkrete Vorschrift in dieser Richtung. Aber einen Fingerzeig schon:
Es gibt nämlich eine Besonderheit für den Fall, dass ein Pferd eine Pause hatte und so im letzten GAG nicht berücksichtigt wurde. Dann gilt für Pferde, deren letztes GAG nicht über 58 kg lag, das mit letzter Einschätzung eine Ausgleichszulassung vorhanden ist. Diese 58 kg haben so etwas wie eine Signalwirkung. Schwer einzuschätzende Pferde ohne Sieg werden oft so eingestuft, dass sie im Agl IV mit genau diesem Gewicht starten. Sie können – grob und ohne wissenschaftlichen Hintergrund – als Daumenmaß anpeilen, dass Pferde im Agl IV – vor einer möglichen Erlaubnis – unter 58 kg selten als Sieger durchs Ziel gehen. Es sind meist Mitläufer; Siegertypen im Agl IV sind auf dem Wege in höhere Ausgleiche und stehen deshalb meist um die 60 kg im Rennen. Deshalb gibt es unter Wettern auch die Regel: das jüngste Pferd mit dem höchsten Gewicht.
So geht der Ausgleicher dann gerne vor. Er gibt den schwächeren Pferden 58 kg, sofern sie entwicklungsfähig sind – in der Regel gelten 3-jährige als entwicklungsfähig. Doch was macht er mit den Pferden, die er für besser hält. Nun, auch dafür gibt es einen Fingerzeig:
Sobald ein Pferd als Starter genannt wird („Starterangabe“) werden die aktuellen Gewichte veröffentlicht. Nun kann es ja sein, dass ein solches Pferd nach der Gewichteveröffentlichung, aber noch vor dem Rennen, zu welchen er gerade genannt wurde, ein anderes Rennen gewinnt. Und für diesen Fall gibt es die Vorschrift, dass es bei einem Sieg ein Aufgewicht von 5 kg gibt, wenn das Rennen ein Ausgleich war, für andere A-Rennen (B-Rennen folgt später) 3 kg.
Aha, und da wissen wir nun, dass ein Sieg 5 kg bringt, wenn dieser Sieg im Ausgleich errungen wird. Immer? Nein, es stellt normalerweise die Höchstgrenze für Ausgleichrennen dar und wird deshalb in der RO konkret in kg ausgedrückt, damit ein Trainer ein unterbewertetes Pferd nicht schnell in 2-3 Rennen trotz Sieg mit einem Gewicht „unterkriegt“. Kommt das Pferd zum ersten Mal in den Ausgleich und hat vorher schon Leistungen gezeigt, die besser waren, dann geht es weitaus höher. So wird ein 3-jähriger der in einer Derbyvorprüfung gewann irgendwo zwischen Ausgleich II und Grupperennen eingestuft, je nach Klasse der Gegner. Also Dresdener Sieger eher Ausgleich I bis II, Union-Sieger Gewicht 90-96 kg (=Gruppeformat). Der Sieger im Union Rennen (am 15.06.2008 steht das nächste an) ist meist der Derbyfavorit, obwohl dort meistens nicht Sieger.
Wenn es dann um die Leistung geht, die im Ausgleich errungen wurde, erhöht der Ausgleicher nach einem Sieg das GAG normalerweise um 3-5 kg – je nachdem wie der Sieg ausfiel. Aber es wurden schon weit aus höhere Zuschläge gesichtet – das ist sinnvoll, denn warum sollte der Ausgleicher über eine Grenze nicht gehen dürfen, wenn er aus der Galoppade schon ersehen kann, dass das Agl IV-Pferd wohl mindestens Agl II Klasse hat. Aber, wie gesagt, selten bis kaum. Also gehen Sie mal von 3 kg bei sicheren und Kampfsiegen aus, 4 kg bei leichten und 5 bei überlegenem Sieg. Wie gesagt, der Ausgleicher ist in der Entscheidung frei und kennt muss nach bestem Wissen und Gewissen – wenn es so etwas noch gibt – entscheiden. Wichtig ist das für den Wetter kaum, es sei denn, er hat ausreichend Erfahrung und schätzt die Einschätzung des Ausgleichers als falsch ein, also als zu hoch (nicht wetten) oder zu niedrig (als Sieger stellen).
Wenn der Ausgleicher für Sieger aufschlagen darf (und soll), was macht er mit dem – vielleicht sogar nur knapp unterlegenem - Zweiten und den weiteren Pferden, die eng beim Vorderfeld waren? In aller Regel vergibt er am Abstand zum Vorderen und nächstfolgendem Pferd auch hier einen Aufschlag von 1-3 kg. Schon beim Dritten wird es eher beim alten GAG bleiben, Ausnahmen nach Rennverlauf und Leistungseindruck, oft 1 kg mehr.
Und dann sind ja noch die Pferde, die mit den vorderen (und Geld-) Rängen nichts zu tun hatten. Nun, auch hier hat er Narrenfreiheit, der Herr Ausgleicher. Grundsätzlich sollte er diesen Pferden einen Abschlag von 1 kg geben. Wenn das Pferd sichtlich überfordert, z.B. zum x-ten Mal unter „ferner liefen“, dann kann er auch 2 oder mehr kg nachlassen. Doch Obacht: manche Trainer legen es geradezu darauf an. So habe ich den sicheren Eindruck, dass Pferde zeitweise nicht austrainiert werden (davon ausgehend, dass die Order nicht auf “nicht platzieren” lautet – es soll sogar schon im Absattelring wüste Beschimpfungen gegeben haben, weil ein Pferd gewann: „Du blöde Kuh….“) um nach ausreichendem Erlass von Gewicht die Pferde in Schwung zu bringen. Warum ich jetzt vor meinem geistigen Auge viel orange sehe, vermag ich selbst nicht zu deuten….
1 kg = 1 Länge? (Gras-Version)
So Addi Furler. Mir liegt Literatur vor, die das ganz unterschiedlich sehen. Bis zu 5 Längen = 1 kg. Ich denke, es gibt keine – so starre – Regel. Das Gewicht mag in einer Bandbreite von ü bis 4 Längen je Kilo ausfallen; es kommt bei allen theoretischen Überlegungen darauf an, dass Rennverlauf und Taktik genau so laufen, wie beim Start vorher. Man kann allenfalls die Grundüberlegung anstellen, dass ein Pferd, welches heute 1 Kilo gegenüber einem vorherigen Gegner günstiger steht, nun in dieser Bandbreite näher am Gegner dran oder gar vorbei ist – mehr nicht. Man kann sich von der Mutmaßung leiten lassen, dass 3 Kilo Aufgewicht bei kurzer Distanz (z.B. 1000 m) nicht so von Belang sind, wie bei einem langen Rennen (2800m) – allerdings, und hier wird meine Eingangsbemerkung plausibel: wenn das lange Rennen über die ersten 1800m verbummelt wird, gehen die 3 kg genau so gut, wie beim kurzen Rennen.
Wenn der Jockey ein Pferd zu früh oder zu spät kommen lässt, dann entscheidet dieses viel mehr, als ein paar Kilo mehr oder weniger. Wenn die Bahn versperrt – dann würde auch ohne Jockey nichts gehen.
Wenn man sich Hindernisrennen unter diesen Aspekten näher anschaut, dann könnte man meinen, ich sehe es genau falsch herum: 3, ja sogar 5 Kilo lassen sich dort sehr gut kompensieren. Doch hängt dies mit der Distanz zusammen? Oder mit dem Jockey? Ich glaube, es liegt daran, dass wir sehr wenig Hindernispferde haben und so die Klassenunterschiede im Hindernis-Pferdebestand sehr groß sind. Wenn ein Pferd (wohl nach wenigen Starts) einen Sieg einfährt, dann hat der Sieger meistens noch verdammt viel Potential. Ich muss mich zwar auch selbst immer wieder anstupsen, aber man sollte bei Hindernisrennen nicht auf das Gewicht gucken.
1 kg = 1 Länge? (Sand-Version)
Und hier dürfen Sie nun alles vergessen. Sandbahnsieger sind viel öfters Seriensieger als Pferde, die auf Gras siegen. Und dort liegt die Begründung bei dem in Bezug auf die Hindernisrennen Gesagtem genau so, wie die Taktik-Anmerkungen bei der Gras-Version dieses Titels: Auf Sand werden die meisten Rennen von „vorne“ gewonnen. Darum stürmen die Pferde nach schnell nach vorne – und wenn man dann noch einen Azubi mit 5 kg Erlaubnis im Sattel hat, dann fällt der Schnellstart noch leichter. Und dann wird es relativ einfach: einfach vorne bleiben, ohne sich vom Feld allzu weit zu verabschieden. Ja, und wie gesagt: viele Sandbahnpferde haben wir nicht – und die Guten sind dann oft Seriensieger. Von wegen 1 kg = 1 Länge. Da werden in der Addition Jahresanfang und Ende mehr als 6 Rennen gewonnen (Mike Stone) und dabei über 20 kg Sand-GAG (Royal Goofy) aufgelegt und das Pferd rennt weiter und weiter.
Stutenerlaubnis im Ausgleich?
Irgendwann zettelte im „Forum“ einer an, dass ich keine Ahnung habe und fügte als Beweis zugleich an, dass ich glaube, dass Stuten eine Gewichtserlaubnis in manchen Rennen bekommen. Hier irrt der Autor gleich doppelt, denn ersten glaube ich nicht, sondern weiß es, und zweitens ergibt sich aus 369 RO: „In einem Flachrennen… hat eine Stute eine Gewichtserlaubnis von 2 kg“.
Nach Antwort von Menschen, die die Regel kennen, wurde dann weiter gefragt, ob dies auch für Ausgleiche gilt. Die falsche Antwort eines Besserwissers (noch nicht mal gedacht, aber schon geschrieben) war, dass diese in Ausgleichsrennen eingerechnet wird. In 369 RO wird aber festgelegt, dass diese nur gilt, wenn „das kein Ausgleich ist“. Hier das ganz Zitat: 369 RO: „In einem Flachrennen, das kein Ausgleich ist, hat eine Stute eine Gewichtserlaubnis von 2 kg, ausgenommen Rennen, die auf Generalausgleichbasis ausgeschrieben sind.“ Was bedeutet nun der letzte Halbsatz? Nun, es gibt Rennen, die kein Ausgleich sind (sondern Altersgewichtrennen) und bei denen trotzdem das GAG eine Rolle spielt. So z.B. die vorne schon genannten Münchener Rennen oder auch Altersgewichtrennen in der Ausprägung eines Aufgewichtrennen mit der Ausschreibung „für 4 jährige und ältere Pferde, die ein GAG von mindestens 57 kg ausweisen“. Im weiteren Verlauf der Ausschreibung steht dann die Auf- und Abgewichte beschrieben, aber Stutenerlaubnis gibt es hier nicht.
Sandbahnrennen
Für die Sandbahn gelten zwar die gleichen Regeln, jedoch immer dann ein anderes Gewicht, wenn das Pferd eine Sandbahnleistung vorweisen kann. Den „normalen“ Weg vorausgesetzt „holt“ sich ein Pferd ein Gewicht über ein bis drei Altersgewichtrennen auf Gras und gesondert auf Sand oder umgekehrt. Sandbahn-Sieger gelten auf Gras als „Sieglose“ und wieder umgekehrt. Sie werden es nicht selten finden, dass ein Pferd auf Sand Agl II lief und auf Gras (noch?) Agl IV – so z.B. Philosoph im Mai 2008. Interessanterweise findet man dies umgekehrt so gut wie nie! Zweifeln Sie? Ich habe die Begründung parat: Auf Sand laufen tendenziell die schlechteren Pferde, die dann über Seriensiege (siehe 1 kg = 1 Länge) ins Gewicht und damit in den höheren Ausgleich kommen). Dazu ist die Sandbahnsaison kaum länger als 20 Renntage, die Grassaison fast 300. Ein gutes Grasbahnpferde ohne Sand-Talent hat also genügend Möglichkeiten, seinen Hafer zu verdienen – Betrachtungszeitraum ein Kalenderjahr. Ein Sandbahnpferd verdient seinen Hafer bei den wenigen Rennen nur selten und muss deshalb auch auf Gras immer wieder „ran“. Meistens sind das dann die Agl IV Pferde, die – und da begegnen wir uns wieder – unter 58 kg, ja meist weit weniger tragen.
Klasse B Rennen
sind Rennen der Art Altersgewichtrennen, die eine bestimmte Rennpreissumme nicht übersteigen dürfen. Sie dürfen eine bestimmte Summe allerdings auch nicht unterschreiten, sonst wäre es das Rennen der C-Klasse (Ich denke Garrel hat so etwas noch, nur gibt es davon keine Veröffentlichungen) Die Obergrenze liegt bei 2.000 € (ungeprüft für 2008) und soll es „kleinen“ Veranstaltern ermöglichen, Rennen auszuschreiben und andererseits den schon sehr schlechten Pferde Startmöglichkeiten einzuräumen. Das Tolle an der Sache ist dann oft, dass sogenannte Rekonvaleszenten in diesen Rennen genannt werden. Da können die Besucher in Cuxhaven, Kiel & Co freuen, auch mal ein Agl I Pferd zu sehen. Oder – Sie erinnern sich – ein Pferd, welches im letzten Jahr nicht lief und deren letzter GAG 59 kg oder mehr betrug. Also Agl III sieht man in solchen Rennen fast immer – nur ob diese „besseren“ Pferde wieder in die „Spur“ finden, dass ist ungewiß! Ansonsten gibt es keine Abweichungen zum Gesagten, außer der vielleicht, auch die Jockeys, Rennreiter oder Amateure sind solche, die nicht mehr als – ich glaube – 10 Rennen in den letzten 12 Monaten gewannen. So kann man 2008 sogar den Klassejockey Hammer-Hansen in einem Klasse-B-Rennen reiten sehen. Toll!
Jetzt zum Ende der Flachrenn-Erläuterung noch der versprochene Auszug aus der Abstufungstabelle:
Altersabstufungen (Auszug, Original geht von Januar – Dezember und bis 4.000 Meter)
Distanz
Alter
16.- 30.Juni
1.- 15.Juli
16.- 31.Juli
1.- 15.Aug
16.- 31.Aug
1.- 15.Sept
16.- 30.Sept
-1000
2
3
-
-3,5
-
-3
-
-2,5
-
-2
-
-1,5
-10,5
-1
-10
-1
1050-1200
2
3
-
-4,5
-
-3,5
-
-3
-
-2,5
-
-2
-11
-1,5
-10,5
-1,5
1250-
1400
2
3
-
-5
-
-4,5
-
-4
-
-3,5
-
-3
-11,5
-2,5
-11
-2,5
1450-
1600
2
3
-
-5,5
-
-5
-
-4,5
-
-4
-
-3,5
-12
-3
-11,5
-2,5
1650-
1800
2
3
-
-6
-
-5,5
-
-5
-
-4,5
-
-4
-12,5
-3,5
-12
-3
1850- 2000
2
3
-
-6,5
-
-6
-
-5,5
-
-5
-
-4,5
-13
-4
-12,5
-3,4
2050-2200
3 (!!)
4 (!!)
älter (!!)
-7
0
+0
-6,5
0
0
-6
0
0
-5,5
0
0
-5
0
0
-4,5
0
0
-4
0
0
2250-2400
3
4
älter
-7,5
0
0
-7
0
0
-6,5
0
0
-6
0
0
-5,5
0
0
-5
0
0
-4,5
0
0
3650-
4000
1.- 15.Jan
3
4
älter
-15
0
+3,5
Ab Januar bis in den April hinein bekommen „ältere“ sogar 0,5 bis 3,5 kg Mehrgewichte!
Dieser Tabellenauszug ist in der Ausschreibung zu berücksichtigen. Sie brauchen also die Tabelle nicht im Kopf zu haben. Was bedeutet dies nun? Der Ausgleicher hat ja ein Gewicht festgelegt. Die Korrektur nach dieser Tabelle ist von dem GAG abzuziehen (bei „-„) oder dazu zu addieren (bei +). Dabei fällt noch auf, dass zeitweise „-„ gemacht werden und zeitweise an entsprechender Stelle eine „0“ steht. Ganz genau weiß ich es auch nicht, es ist sicherlich so zu interpretieren, dass bei „-„ in einem solchen Rennen die Altersklasse nicht zugelassen ist, bei „0“ kein Abzug gemacht wird.
Beispiel: Im „Sommer-Preis des stahlenden Horner-Moors“ (bitte nicht mit „Mors-Mors“ verwechseln) für 3- jährige und ältere Pferde am 30.06.2008 und über 2400 Meter startet unter anderem ein 3-jähriger mit dem GAG 62 und ein 4-jähriger mit gleichem GAG. An den Start kommt der 3-jährige mit 54,5 kg (62 – 7,5), der 4-jährige mit 62 kg. Wäre das Rennen im Januar und es gesellte sich ein 5-jähriger mit ebenfalls 62 GAG hinzu, dann würde der 3-jährige mit dem Mindestgewicht von 47 kg (62-15) starten, der 4-jähirge mit 62 und der 5-jährige mit 65,5. Also gar nicht schwer – außer für die beiden älteren Pferde
Hindernisrennen
Ich möchte im Detail nicht auf Abweichungen zu Flachrennen eingehen. Diese Abweichungen beziehen sich zum Teil auf Mindestgewichte und ähnliche Punkte, die nicht so von Belang sind. So ist das Mindestgewicht für Hindernisrennen 62 kg, bei Inanspruchnahme von Gewichtserlaubnissen 57 kg. Für Sie als Wetter hat das alles kaum oder sogar überhaupt keine Bedeutung. Ich für meinen Teil gucke mir die Rennen gerne an und mache auch mal eine kleine Wette. Aber bei dieser Rennart bewege ich mich im Ergebnis im Minus. Dort ist eben gerade wegen der geringen Breite und dem Phoenix-aus-der-Asche kommenden Pferden (Insiderwissen) kaum möglich, eine dicke Quote zu erwischen. Leider. Früher, ja früher was alles besser. Oder doch nicht?
Ende:
Was ich mir noch im Zusammenhang mit dieser Abhandlung vorgenommen habe, kommt demnächst noch zu diesen Themen:
Erläuterung der Ausschreibung & Bedeutung unklarer Zahlen bei den Starterlisten (Rennprogrammen)
Also Rennklassen. Die Basis des Sports bilden die sogenannten Ausgleiche. Diese werden Agl I, Agl II, Agl III und Agl IV (also eins zwei ---> vier, nein ich denke nicht dass du blond bist, aber die römischen Soldaten sind bekannter als die römischen Zahlen) genannt. IV für untere Klasse, III für mittlere Klasse, II für gute Klasse und I für sehr gute Klasse. Ich kann gar nicht aus dem Kopf sagen, wie heute die Abstufungen sind. Die Ausschreibungen lauten jedenfalls etwa so: Agl III - GAG -5 für ältere, GAG -12 für 3 jährige. Meint, das Gewicht, welches der Ausgleicher dem Pferd zugedacht hat, wird bei Pferden die älter als 3 Jahre sind um 5 Kilo reduziert, für 3 jährige um 12. Damit kann ein Agl I Pferd (meinetwegen 90 Kilo GAG deshalb nicht in diesem Rennen starten, weil mit 85 Kilo gar kein Pferd einigermaßen schnell laufen kann. Ein Pferd mit 65 Kilo GAG kann hier mit 60 Kilo laufen oder vielleicht auch im Agl II wo es vielleicht heißen könnte "Agl II, GAG -14 für ältere..." Hier würde er mit 51 Kilo laufen. Natürlich ist Agl III etwas einfacher, weil die Grundschnelligkeit etwas geringer als im Agl II; obwohl es schon Agl IV gab, die schneller als Agl I am gleichen Tag abliefen. Aber das hat mit Taktik usw. zu tun. Zwischen den einzelnen Ausgleichen sehe ich eine Differenz von ca. 12 Kilo, der Ausgleicher übrigens etwas weniger (10 Kilo).
Natürlich kann auch ein Agl IV Pferd im Agl III laufen. Allerdings: Wenn das Pferd meinetwegen ein GAG von 45 hat, würde sich rechnerisch ein Gewicht von 40 Kilo ergeben, welches das Pferd in diesem Rennen tragen dürfte. Nur es gibt ein logisches Mindestgewicht durch die Jockeys (plus 1-2 Kilo Sattel und Stiefel) bedingt. Unter 47 Kilo habe ich noch kein Gewicht in Deutschland gesehen. So trägt das Pferd also Mehrgewicht - dieses wird im Programm dann auch vermerkt. Daraus folgt, dass ein Pferd aus einem unteren Ausgleich im Höheren laufen darf, aber dieses kaum zum Erfolg führen kann. Übrigens hört man bei Pferden mit leichtem Gewicht häufig den Begriff “das Pferd mit der Briefmarke”. Leider verwässert der Begriff etwas - heute oftmals angewandt für das leichteste Pferd - früher für Pferde mit Gewichten unter 50 Kilo (Merken Pan C...)!!
Bevor ein Pferd im Agl (Ausgleich) laufen darf, muss es in Altersgewichtrennen oder Aufgewichtsrennen laufen. Altersgewichtrennen richten sich an Pferde bestimmten Alters oder auch altersmäßig gestufte Gewichte. Also typisch "für 3 jährige Pferde".
Aufgewichtsrennen erkennt man in der Ausschreibung durch alle möglichen Phantasien - typisch "Pferde, die seit dem 1.10.2007 weniger als 5000 Euro gewonnen haben, 3 Kilo Erlass" oder auch" für jeden 2. Platz 2 Kilo mehr, für jeden 3. Platz 1 Kilo mehr"
Das Ganze ganz unabhängig davon, ob das Pferd schon einen GAG hat oder nicht. Den GAG gibt es aber erst nach 3 solchen Rennen oder früher bei einem Sieg. So kann durchaus ein Agl I Pferd in einen solchen Rennen ein Agl IV Pferd treffen - vielleicht sogar mit weniger Gewicht, weil das Agl I Pferd seit 12 Monaten ohne Geldgewinn, das Agl IV Pferd 2. war - je nach Ausschreibung.
Wenn die Pferde dann so Richtung Agl II, I sich steigern oder besser sind oder noch besser sind, dann kommen für diese Pferde Rennen mit höheren Siegprämien infrage (auch Agl haben aufsteigende Preise). Die "höheren" Rennen sind Listenrennen (LR oder L genannt, wenn nicht ausgeschrieben) und dann vielleicht sogar Grupperennen der EUROPA Klasse III - Top, II - Europaklasse sozusagen und I quasi Weltklasse (wobei niemand diese Rennarten Weltklasse oder so nennt, das ist nur für Dich).
Ja und diese Klasse gibt es für 2 jährige, 3 jährige (Derby, Union, Henkel) oder ältere oder auch 3 jährige und ältere und bei Fliegerrennen (1000-1200 Meter) sogar 2jährige und ältere...
Das waren die offiziellen Namen. Bei mir geht es so:
(Flachrennen)
A Agl I
B Agl II
C Agl III
D Agl IV (woran man schon erahnen kann, dass dies die häufigsten Rennen sind)
E Grupperennen, an denen (auch oder nur) ältere Pferde teilnehmen dürfen
F Listen oder wertgleiche Rennen
G gute Aufgewichtsrennen (ca Agl II)
H normale Aufgewichtsrennen und B-Klasse (also rund um den Agl IV)
I Gruppe 3jährig
J Listen 3jährig
K 3 jährige (keine Zulassung anderer Alter)
L 2 jährig (unter Altersgenossen)
OK, das muss man wirklich erfahren und immer wieder sich vor Augen führen. Langsam aber sicher kommt man dahinter - Steinböcke mit den Hörnern oft schneller.
Aktuell Ort Re
aufgeführte Quoten wurden mit TIpp getroffen
Tipp (Nichtstarter) Einlauf (Starter)
Sieg 2er Zwilling
* Hochrechnung
Legende: Zahl Treffer :10 - kein Gewinn x nicht wettbar