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Diese Seite wird nach dem 11.04.2018 überarbeitet


Ein sehr erschöpfendes Thema! Ich möchte dieses aus zwei Sichtweisen anschauen: 
einmal die Interessenlagen die Besitzer haben und die Sie selbst so erkennen könnnen und dann eine kritische wie auch um Verständnis werbende Seite, die Sie als Wetter kennen sollten. Bei der Betrachtung stelle ich bewußt auf die Sichtweise der Wetter ab, weil ständig und immer wieder dumme Gerüchte den Sport schädigen. Also Zocker, wollen wir doch mal sehen, ob jede der verlorenen Wette am Besitzer lag! Am besten beleuchten wir dieses über die Interessenlage.

1. Die “großen” Besitzer
Die großen Besitzer sind erst einmal mit den großen Zuchtstätten des Landes identisch und insofern als Besitzer zu sehen, die keinerlei Interesse am Wettgeschehen haben. Es geht vielmehr um Erfolge in den Grupperennen, weil sich dort Pferde die Meriten holen, die sich wunderbar in bare Münze umrechnen lassen. Was sind schon 10.000 Euro Wettgewinn, wenn ein Deckhengt locker 40 mal im Jahr 20.000 Euro und mehr einbringt? Hier wird schnell und klar deutlich, wenn und solange ein Besitzer Pferde auf die Bahn bringt, um mit ihnen Zuchterfolge zu erzielen, dann können Sie jegliche Spekulation weglassen, wenn und solange das Pferd Erfolge erzielen kann. Dabei wird man noch unterscheiden müssen, zwischen Hengsten und Stuten. Denn für Hengste als potentielle (und hoffentlich potente) Zuchtkanditaten zählen rein nur die Erfolge in Grupperennen. Die wichtigsten - ohne auf Vollständigkeit auch nur annähernd erzielen zu wollen - sind das älteste Privatgestüt Schlenderhan und neuerdings die Pferde vom Baron UIllmann, der letztendlich so etwas wie der private Zweig des Privatgestüts darstellt; Fährhof, gegründet vom Kaffeemagnaten Jacobs; Röttgen mit dem Duft nach Kölnisch Wasser und aus den neuen Bundesländern erwähnenswert Görlsdorf, auch wenn die Zeit nach dem Krieg kaum wirklich an “das” Görlsdorf erinnert, welches es mal war. 

Ihnen wird auffallen, dass Pferde solch wichtiger Gestüte nur wenige Starts im Jahr absolvieren und vielen von ihnen ein Start als 2-jähriges Pferd erspart bleibt. Als Muster nehme ich ein typisches Grupperennen, das Hauptrennen der “großen” Woche Baden-Baden aus dem Jahre 2005. So hat der 6-jährige Senex bis Ende August 2005 nur 17 Starts in 4 Rennzeiten (3, 4, 5 und 6 jährig) absolviert; Simonas - gleichalt - nur 16 Starts. Die 3-jährigen Night Tango, Derbysieger Nicaron und Gonbarda 4, 6 und 7 Starts; interessanterweise hat keines dieser Pferde 2jährig Rennen bestritten und unterstreicht damit meine These, dass 2-jährige Starter selten Format haben, sondern allenfalls Frühreife. Vielleicht sogar schadet der 2-jährige Start eher. Aber das gehört hier schon nicht mehr hin. Pferde “kleiner” Besitzer laufen oft 15 oder gar 20 mal im Jahr und kommen mit 10 Lenzen oder früher auf 100 Lebensstarts. Up and Away, auch am 4.9. gemeldet, kommt mit 11 Lenzen auf einen Start als zweijähriges Pferd und 65 Starts in den nächsten 9 Jahren, also im Schnitt rund 7 Starts im Jahr - die meisten auf Gruppeebene und dort mit 9 Jahren noch erfolgreich in Hamburg.

Der Besitzer und Züchter von einem Klassepferd hat hier zwei Chancen: Läuft das Pferd gut, wird international Aufmerksamkeit auf dem Käufermarkt erzielt. Überraschend viele Pferde haben den Weg ins Ausland gefunden - Amerikaner lieben unsere Pferde scheinbar. Der Kaufpreis der deutschen Pferde dieser Klasse liegt nicht selten bei 1 Million € und ist international noch als Schnäppchen aufzufassen. Spätestens als Wertheimer, Aga Khan & Co Konkurrenz durch die Ölmultis bekam, zogen die Preise an, wie man es vom Benzin her gewohnt ist... Die andere Chance ist das Pferd zu behalten und in die Zucht zu gehen.

Geht ein Hengst eines der großen Gestüte im Agl I oder Listenrennen, so mag man sich noch Gedanken darüber machen, was der Züchter will. Vielleicht doch etwas (Preis-) Geld verdienen und dann das Pferd in die Warmblutzucht? Spätestens aber wenn das Pferd im Agl III oder IV läuft, wird es nur noch darum gehen, eine öffentliche Form zu präsentieren, die den angestrebten Verkauf zu einem guten Preis zu ermöglicht. Es liegt auf der Hand, dass ein Pferd aus Fährhof einen besseren Preis erzielt als von dem - wenig bekannten - Züchter aus Schleswig-Holstein. 

Ganz anders bei den Stuten! Gruppestuten - also Stuten, die in Grupperennen Sieger waren oder sich wenigstens Preisgelder dort geholt haben - sind selten die Mütter von Gruppesiegern. Wieso? In der älteren Literatur wird eine - für mich nachvollziehbare -These vertreten. Es geht um die Frage, ob das Pferd ausgezehrt wurde, oder aber geschont in die Rolle der Zuchtstute kommt. Wenn Sie die Karriere von Stuten heute verfolgen, so werden Sie feststellen, dass eine Zuchtstute oft nur einmal in hochklassigen Rennen dabei war. Ein Sieg reicht aus Sicht des Züchters allemal. Aber auch eine Platzierung auf Agl II Ebene wird gerne gesehen und verspricht eine erfolgreiche Zucht. Erfolgreiche Zuchtstuten sind in aller Regel zuletzt als 3 jähriges Pferd aktives Rennpferd gewesen oder wurden kaum mehr als 10 mal geprüft. Stuten die öfter herangenommen wurden oder alle Grupprennen noch als 4 jährige mitnahmen, sollten Sie als späterer Züchter eher meiden. 

2. Die Rennställe
Damit kommen wir zu den großen Besitzern, die nicht oder kaum züchten. In erster Linie denkt man sicher an Stall Steintor, zu dem unter “Trainer” noch etwas zu sagen sein wird. Ein reiner Rennstall, der Pferde in erster Linie aufkauft und dort in Rennen der Art Ausgleich IV laufen läßt oder - dies ist ein besonderes Merkmal für den Stall - auch in Hindernisrennen prüfen läßt. Wie sollten Sie als Wetter solche Ställe sehen? Sollte oder kann man ihnen trauen? Oder traut man ihnen etwa zu, Gewinnchancen nicht wahrzunehmen? Nun auch hier fällt meine Antwort recht deutlich aus: Wenn ein Besitzer nicht unerheblich viel Geld - auch und gerade in den “kleinen” Sport steckt, dann will er einfach seine Freude haben und denkt ebenso wenig an Wettgewinne, wie die großen Zuchtställe. Die Leute denken nur an Pferde, Pferde und nochmals Pferde und würden eher ein Pferd im Stall lassen, als es gegen seinen natürlichen Drang nach Schnelligkeit in einem Rennen zu fesseln. Schauen sie sich an, welche Jockeys engagiert werden. Unbekannte, vor allem “Mädchen”. Damit öffnen sie den Sport für diese bislang nur Reiterinnen, die allenfalls mal ein (Spring-) Turnier geritten sind, für den natürlichsten Pferdesport den es gibt: Galopprennsport! Und dann immer wieder Klassejockeys. Nicht in jedem Rennen, aber das hat vor allem ein Grund: die Klassejockeys sind nicht immer dort, wo die Pferde dieser Besitzer laufen. Diese Pferde findet man auf allen kleinen und mittleren Rennbahnen. Dies sind Chancen für die Mädchen, die die gesamte Woche über die Arbeit mit den Pferden machen. Aber wenn es dann zu den großen Rennen nach Hamburg und Baden-Baden geht, spätestens dann sind sie im Sattel, die Minariks, Panovs, Starkes und wie die “großen” Jockeys alle heißen. 

3. Kleine Besitzer - großes Glück
Vorweg: klein hat da nichts zu tun mit wenig Geld oder unwichtig, sondern allein zeitweise oder immer nur ein oder zwei Pferde zu tun. Nun diese Gruppe kann und sollte man unterteilen in die Gruppe der “Happy Owner” (wobei der Rennstall mit gleichem Namen nun nicht unbedingt ein solcher jener Kategorie ist, die ich meine). Dieses sind Besitzer, denen das Glück hinterherläuft, egal welches Pferd sie kaufen. Ich denke da an den nicht mehr aktiven Rennstall “Bad Bertrich” (Bad wie Kurort und nicht engl. bad wie böse). Egal was die Besitzer für ein Pferd kauften, es war in Grupperennen zu platzieren oder dort sogar siegreich. Leider gibt es diese Besitzergemeinschaft nicht mehr. Dann fällt mir Werner Heinz (WH International) ein, der mit seinem relativ kleinen Rennstall ja auch schon einen Derbysieger hatte oder jener Barbesitzer aus dem Raume Frankfurt, dessen Stall - benannt nach dem Namen seiner Frau - leider auch nicht mehr besteht und zu dem ich wegen der immer unpünktlichen Sportwelt öfters Kontakt hatte, nachdem entweder seine Zeitung bei mir im Nachbardorf ankam oder meine bei ihm - ein schöner Gruß nach Hessen, das nächste Pferd wird wieder ein Derbysieger! Und aktuell vielleicht noch Stall Blankenese, wenn die nun auch vielleicht so klein und so happy nicht mehr sind; man darf sich nie als “Hans im Glück” fühlen, auch nicht als Karl oder sonstwer im Glück...

Auch bei dieser Gruppe von Besitzern können Sie völlig unbesorgt ihre Wette platzieren, nichts droht ihnen im Sinne einer Manipulaiton. Schliessen Sie sich als Wetter solchen Glückskindern einfach an.

4. Kleine Besitzer - große Zocker?
Wer das wohl ist? Ich weiß es nicht oder besser, ich werde mich hüten, irgend jemanden den ich nicht (oder doch...) kenne, zu unterstellen, er würde sein Pferd nicht den Statuten gerecht einsetzen. Nein, im Zweifel weiß ich gar nichts... Aber im Ernst. Natürlich kann ich von Leuten berichten, die aus den unterschiedlichensten Motiven heraus nicht unbedingt oder gar vorsätzlich eine Siegchance nicht wahrnehmen lassen. Aber... es gehören immer drei dazu: Der Besitzer, der Trainer und der Jockey. Musterhaft nehme ich zwei Erfahrungen schlechter Art. Einmal geht es darum, dass ein Miteigentümer eines Pferdes den Vorschlag macht, ein Pferd bewußt eine Zeitlang nicht nach vorne zu schicken um dann an einem bestimmten Tag den Sieg zu hohen Odds zu bestimmen. Wie gesagt, es scheitert meist daran, dass alle sich einig sein müssen. In einer Besitzergemeinschaft geht das aber nur, wenn die Besitzer mit relativ wenig Geld auf der Rennbahn selbst wetten, denn ein hoher Einsatz mindert die Quote und damit den Gewinn. Über Buchmacher läßt sich das heute auch kaum noch machen, also vergessen Sie jede Mutmaßung über Pferde aus Ställen mit vielen Besitzern. Es kam natürlich nicht zur Manipulation, der Ideenträger hatte später seinen eigenen Rennstall - mit einem recht erfolgreichen Pferd und anderen, weniger guten Pferden, die ihm allenfalls 3 oder 4 Siegwetten zu lohnenden Odds ermöglichten. Ob er da sehr glücklich wurde, wenn er überhaupt... oder wollte er dann unter eigenem Namen dann doch lieber öffentlich Sieger anstatt heimlich 2-3 Tausender einzustecken?

Ein anders Mal geht es darum, dass ein Trainer - zufällig hörte ich davon - die Order ausgab, das Pferd im Rennen absolut in Ruhe zu lassen und es weder während des Rennverlaufs nach vorne zu schicken, noch im Endkampf die Peitsche zu nutzen. Das dieses Pferd hier nicht, aber kurz darauf zu hohen Odds gewann, war klar - allerdings hatte ich dafür gesorgt, dass - zumindest auf Ebene der Dreierwette - die Quote nicht in den Himmel wuchs... und Dank an Trainer und Besitzer auch im Namen der anderen Wetter!

Ich bin aber sicher - und dies zum Trost aller “Normalwetter” und zum Ärger von Zockern: bis auf wenige, ganz vereinzelte Fälle, ist der Rennsport sauber. Heute noch viel eher als früher. Die Rennleitung heute ist mit der Technik der Rennverfilmung - das komplette Rennen aus oft mehreren Blickwinkeln - ganz schnell auf der richtigen Fährte. Solche Dinge, wie ich sie vor 20 Jahren erlebte, als ein Jockey - heute Trainer im Westen - zwei typische Speedpferde über 1600 Meter in den letzten beiden Rennen der damals noch 5-tägigen Rennwoche in Hamburg, vorneweg jagte und dann sang und klanglos untergeht, würde der Rennleitung, die ihre Sache viel professioneller macht als damals, sofort auffallen. Schon der Rennkommentator erwähnt heute schon mal “eine etwas überraschende Taktik”. Wer wagt, verliert! 

Auf eines allerdings möchte ich schon hinweisen und bringe hierfür selbst als Wetter Verständnis auf: Wenn ein Pferd schon beim Start ein Rennen verliert, dann sollte ein Jockey nicht auf “Teufel komm raus” dieses Mißgeschick korregieren, sondern schlichtweg das Pferd geschont ins Ziel kommen lassen, wenn sich nicht durch den Rennverlauf selbst neue Chancen auftunen. Ich meine damit z.B. ein Pferd, welches 40 Meter hinter dem Feld auf die Reise geht und damit normal keine Chance mehr hat, egal ob es um ein Speedpferd geht oder um eines welches vorne weg die Pace machen muss. Dranbleiben wäre das Motto, denn mit Glück jagen die vorne sich tot oder verbummeln das Rennen. Dann ist wieder alles möglich. Als Besitzer habe ich aber überhaupt nichts davon, wenn meinem Speedpferd nun Meter für Meter abgerungen wird und dann in der Zielgeraden mit (übertriebenem) Peitschengebrauch auf ein Platzgeldplatz gebracht wird. Wahrscheinlich kann ich mein Pferd nach dem Rennen in die Wurst stecken, für Rennen wird es nicht mehr zu gebrauchen sein. Hierzu werde ich am Beispiel des Derbys demnächst Ihre Augen öffnen. 

Soweit also mein Statement. Quintessenz: Auf große Ställe kann man vertrauen, aber diese bringen deshalb auch nur kleines Geld. Manipulierte Rennen sind praktisch kaum,und überhaupt nur im Zusammenspiel Trainer, Besitzer und Jockey, möglich. Allerdings sind die Einsätze auf deutschen Bahnen so gering, dass es schon einfacher ist, mit einem Bankraub reich zu werden, als mit Rennmanipulation, zumal der Bankraub sicher so oft nicht aufgeklärt wird, wie Rennmanipulationen. Also nur an so etwas denken, wenn Sie selbst (meinen) das schon beobachtet (zu) haben oder es sich um weniger als 3 Personen handelt. Bekannte Jockeys werden sich nicht um ihr Brot bringen lassen wollen, auch wenn ich da an einen etwas merkwürdig aussehenden und noch merkwürdiger begründeten Sturz eines bestimmten Jockeys denken muss, der nachdem auch keine D-Mark mehr verdiente. Wenn Ihre Wette nicht ins Ziel kommt, wird es eher am fehlenden Glück oder Unvermögen des Reiters gelegen haben. Nicht jedes verkorkste Rennen aber ist Ausdruck des Unvermögens des Reiters, sondern vielleicht Startpech gepaart mit Achtung vor der Kreatur! Oder nehmen Sie es einfach als Ihr Pech hin; das kommt beim Wetten sicher viel öfters vor, als alles andere.
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